Veröffentlicht am April 17, 2024

Eine strategisch entwickelte Corporate Identity ist kein Kostenfaktor, sondern ein direkter Werttreiber, der den finalen Verkaufspreis Ihres Unternehmens signifikant erhöht.

  • Die Schließung der Lücke zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung (Perception Gap) verbessert nachweislich Kundenloyalität und Weiterempfehlungsraten (NPS).
  • Konsistenz in Design und Kommunikation senkt operative Kosten, von der Rekrutierung bis zum Marketing, und steigert so direkt das profitable EBIT.

Empfehlung: Betrachten Sie Ihre Corporate Identity als ein zentrales Asset in Ihrer Bilanz. Beginnen Sie heute mit dem Audit Ihrer Marken-Kontaktpunkte, um ungenutzte Wertpotenziale aufzudecken.

Viele Gründer und CEOs konzentrieren sich auf harte Kennzahlen: Umsatz, Marge, Wachstum. Sie investieren in Produkte und Vertrieb, während die eigene Marke oft als „weicher Faktor“ behandelt wird – ein schönes Logo, eine ansprechende Website. Doch spätestens bei den Vorbereitungen für einen Exit oder Unternehmensverkauf wird eine schmerzhafte Wahrheit offensichtlich: Der von Investoren wahrgenommene Wert Ihres Unternehmens hängt massiv von der Stärke und Konsistenz Ihrer Corporate Identity (CI) ab. Eine schwache, inkonsistente Marke wird als Risiko gewertet und führt zu direkten Abzügen bei der Bewertung.

Die üblichen Ratschläge beschränken sich oft auf das Visuelle: ein einheitliches Farbschema, die korrekte Logoverwendung. Das ist die Basis, aber es greift zu kurz. Eine ganzheitliche CI umfasst jede Interaktion – von der Tonalität einer E-Mail über das Verhalten des Kundenservice bis hin zur Gestaltung eines simplen Lieferscheins. Sie ist der gelebte Ausdruck Ihrer Unternehmenskultur und Ihrer Werte. Aber was, wenn die eigentliche Wertsteigerung nicht in der Schönheit des Designs liegt, sondern in der messbaren Effizienz, die eine durchdachte CI im gesamten Unternehmen erzeugt?

Dieser Artikel durchbricht die oberflächliche Diskussion. Wir werden nicht über Farbpsychologie sprechen, sondern über EBIT-Multiples. Wir zeigen Ihnen als Brand Consultant, wie eine authentische und konsequent gelebte Corporate Identity zu einem handfesten, finanziellen Asset wird. Sie ist der Hebel, der aus einem guten Unternehmen eine wertvolle, begehrenswerte Marke macht – und damit den entscheidenden Unterschied bei Ihrer finalen Unternehmensbewertung ausmacht. Wir werden die Wahrnehmungslücke zwischen Ihnen und Ihren Kunden analysieren, die Macht von Details aufzeigen und darlegen, wie Sie Ihre CI als strategisches Werkzeug für Wachstum und Wertmaximierung einsetzen.

Der folgende Leitfaden bietet Ihnen eine strukturierte Übersicht, wie Sie die verschiedenen Facetten Ihrer Corporate Identity gezielt als Werttreiber für Ihr Unternehmen nutzen können. Jede Sektion beleuchtet einen kritischen Aspekt, von der Außenwahrnehmung bis zur internen Implementierung.

Warum Kunden Ihre Marke oft ganz anders sehen als Sie selbst und wie Sie diese Lücke schließen?

Als Gründer oder CEO leben und atmen Sie Ihre Unternehmensvision. Sie kennen die Werte, die Mission und die langfristigen Ziele. Doch diese interne Perspektive ist selten identisch mit der externen Wahrnehmung Ihrer Kunden. Diese Wahrnehmungslücke (Perception Gap) ist einer der größten versteckten Wertvernichter. Kunden bilden ihre Meinung auf Basis von Kontaktpunkten: der Nutzerfreundlichkeit Ihrer Website, der Wartezeit am Telefon, der Qualität der Verpackung. Wenn diese Erfahrungen nicht mit Ihrem Markenversprechen übereinstimmen, entsteht eine Dissonanz, die Vertrauen untergräbt und die Kundenbindung schwächt.

Ein mächtiges Werkzeug zur Messung dieser Lücke ist der Net Promoter Score (NPS). Er quantifiziert die Kundenloyalität mit einer einfachen Frage. Die Ergebnisse können ernüchternd sein. So zeigen aktuelle NPS-Benchmarks für Deutschland, dass viele Branchen nur knapp über dem Nullpunkt liegen. Eine Marke wie HUGO BOSS hingegen erreichte in einer Studie einen NPS von 21 und hebt sich damit deutlich ab. Noch eindrucksvoller ist das Beispiel Amazon in Deutschland: Während der allgemeine NPS bei 23 liegt, schnellt er bei Bestandskunden auf 43 hoch. Dies belegt: Eine positive, konsistente Erfahrung schließt die Wahrnehmungslücke und verwandelt Nutzer in echte Fans.

Das Schließen dieser Lücke ist kein Ratespiel, sondern ein strategischer Prozess. Es beginnt damit, die Kundenperspektive aktiv einzuholen und die Ergebnisse ungeschönt zu analysieren. Identifizieren Sie die Kontaktpunkte, an denen Ihr Markenversprechen bricht. Ist es der komplizierte Bestellprozess? Die unpersönliche Kommunikation? Jede Schwachstelle, die Sie beheben, stärkt die Kohärenz Ihrer Marke, steigert die Kundenzufriedenheit und damit direkt Ihren NPS. Ein hoher NPS ist für potenzielle Käufer Ihres Unternehmens ein klares Signal für ein gesundes, zukunftsfähiges Geschäftsmodell mit treuem Kundenstamm – ein entscheidender Werttreiber.

Ihr Audit-Plan: Markenwahrnehmung in 5 Schritten prüfen

  1. Punkte de contact: Listen Sie absolut jeden Kanal und jede Situation auf, in der ein Kunde oder Partner mit Ihrer Marke in Berührung kommt – von der Google-Anzeige über die Rechnung bis zur E-Mail-Signatur.
  2. Collecte: Sammeln Sie für jeden Kontaktpunkt konkrete Beispiele. Wie sehen Ihre aktuellen Rechnungen aus? Welchen Wortlaut haben Ihre automatisierten E-Mails? Machen Sie Screenshots, sammeln Sie Dokumente.
  3. Cohérence: Vergleichen Sie diese realen Artefakte mit Ihren definierten Markenwerten und Ihrem Positionierungsversprechen. Spiegelt der Ton der Mahnung Ihre angestrebte „partnerschaftliche“ Beziehung wider?
  4. Mémorabilité/émotion: Bewerten Sie jeden Kontaktpunkt. Was ist einzigartig und einprägsam? Was ist generisch und austauschbar? Welche Emotion wird hier ausgelöst – Vertrauen, Frustration, Gleichgültigkeit?
  5. Plan d’intégration: Identifizieren Sie die größten Lücken und erstellen Sie einen priorisierten Plan. Oft haben kleine Änderungen (z.B. die E-Mail-Signatur) eine riesige Wirkung bei geringem Aufwand.

Das Logo auf dem Lieferschein: Warum Design-Details über die Professionalitäts-Wahrnehmung entscheiden?

Stellen Sie sich vor, ein potenzieller Investor führt seine Due Diligence durch. Er prüft nicht nur Ihre Bilanzen, sondern auch, wie Ihr Unternehmen am Markt auftritt. Er erhält ein Musterprodukt. Die Verpackung ist hochwertig, doch der beiliegende Lieferschein ist ein liebloser Ausdruck aus einer Standardsoftware – mit verschobenem Logo und Times New Roman als Schriftart. Dieser winzige Bruch in der Markenerfahrung sendet ein unterbewusstes Signal: Mangel an Sorgfalt. Wenn das Unternehmen schon bei solch einfachen Details schludert, wo gibt es dann noch Schwächen?

Konsistenz im Corporate Design ist kein Luxus, sondern ein fundamentales Signal für Professionalität und Verlässlichkeit. Jedes Dokument, jede Präsentation, jede Visitenkarte ist ein Markenbotschafter. Die konsistente Anwendung von Logos, Farben, Schriftarten und Gestaltungsrastern über alle Medien hinweg schafft ein Gefühl von Ordnung, Kontrolle und Qualität. Dies stärkt nicht nur das Vertrauen bei Kunden, sondern auch bei Partnern, Banken und potenziellen Käufern. Es zeigt, dass das Unternehmen seine Marke ernst nimmt und als strategisches Gut verwaltet.

Darstellung eines konsistenten Design-Systems auf Geschäftsdokumenten

Diese Detailversessenheit ist ein Kennzeichen führender Unternehmen. So beschreibt Claus Koch den Prozess bei der Neugestaltung für einen deutschen Giganten:

Alles wurde auf den Prüfstand gestellt. So entstanden eine neue Corporate Identity und ein komplettes Corporate Design für alle Unternehmen der Würth-Gruppe.

– Claus Koch, Würth Corporate Design Case Study

Dieser Ansatz zeigt: Exzellenz entsteht, wenn wirklich jeder Aspekt des Markenauftritts hinterfragt und optimiert wird. Ein professionell gestalteter Lieferschein mag auf den ersten Blick trivial erscheinen. In Wahrheit ist er ein Mosaikstein im Gesamtbild einer starken Marke und trägt so indirekt zur Steigerung des wahrgenommenen Unternehmenswerts bei.

Wie eine authentische Corporate Identity Ihre Kosten pro Bewerbung um 40% senken kann?

Der im Titel genannte Wert von 40% ist ein etablierter Branchen-Benchmark, der die Macht einer starken Arbeitgebermarke illustriert. Eine authentische Corporate Identity ist eines Ihrer schlagkräftigsten Werkzeuge im „War for Talents“. Top-Talente suchen heute nicht nur einen Job, sondern eine Mission und eine Kultur, mit der sie sich identifizieren können. Wenn Ihre CI Ihre Werte und Ihre Vision klar und überzeugend kommuniziert, ziehen Sie Bewerber an, die wirklich zu Ihnen passen. Das Ergebnis: Sie erhalten qualitativ hochwertigere Bewerbungen und müssen weniger Geld für teure Recruiting-Kampagnen ausgeben, um unpassende Kandidaten auszusortieren. Diese Senkung der Rekrutierungskosten ist keine Kleinigkeit – sie ist eine direkte Steigerung Ihres Gewinns.

Und hier schließt sich der Kreis zum Unternehmenswert. Die gängigste Methode zur Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ist das EBIT-Multiple-Verfahren. Der Wert Ihres Unternehmens errechnet sich aus dem bereinigten operativen Gewinn (EBIT) multipliziert mit einem branchenspezifischen Faktor. Jede Kostensenkung, die Sie durch eine stärkere Marke erzielen – sei es bei der Rekrutierung, im Marketing oder durch höhere Kundenloyalität – erhöht Ihr EBIT. Diese EBIT-Steigerung wird dann mit dem Faktor multipliziert, was zu einer überproportionalen Steigerung Ihres Unternehmenswerts führt.

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die Hebelwirkung: Angenommen, Sie sparen durch Ihre starke Arbeitgebermarke 50.000 € pro Jahr an Rekrutierungskosten. Diese 50.000 € erhöhen Ihr EBIT direkt. Laut der aktuellen DUB KMU-Multiples-Analyse wird ein Medienunternehmen mit einem Faktor von 5,0 bewertet. Ihre Kosteneinsparung von 50.000 € führt also zu einer Steigerung des Unternehmenswerts um 250.000 € (50.000 € x 5,0). Ihre Investition in die Corporate Identity zahlt sich also nicht nur durch bessere Mitarbeiter aus, sondern auch ganz handfest beim Verkauf Ihres Unternehmens. Ihre CI wird so vom „weichen Faktor“ zu einem knallharten Marken-Asset.

Wann ist ein komplettes Redesign notwendig und wann verschreckt es nur Ihre Stammkunden?

Die Entscheidung für ein komplettes Redesign der Corporate Identity ist eine der heikelsten strategischen Weichenstellungen. Ein radikaler Wandel kann notwendig sein, wenn sich Ihr Geschäftsmodell fundamental geändert hat, Sie neue Zielgruppen ansprechen wollen oder Ihre Marke veraltet und irrelevant wirkt. Ein erfolgreiches Redesign kann enorme Energien freisetzen und das Unternehmen neu positionieren. Doch die Gefahr ist ebenso groß: Ein unüberlegter Bruch mit der Vergangenheit kann jahrelange Stammkunden verprellen, die sich mit der alten Identität verbunden fühlten. Der Wiedererkennungswert geht verloren, und im schlimmsten Fall wirkt die neue Marke beliebig und seelenlos.

Oft ist der klügere Weg die evolutionäre Weiterentwicklung. Statt alles über Bord zu werfen, wird die Marke behutsam modernisiert, ohne ihre Kernmerkmale aufzugeben. Ein exzellentes deutsches Beispiel dafür ist Fielmann. Die Marke hat sich über Jahrzehnte weiterentwickelt, aber ihr Kernversprechen und ihre grundlegende Identität sind erhalten geblieben. Fielmann stärkt seine CI zudem durch konsistentes Corporate Behavior, das die Werte des Unternehmens unterstreicht. Bei Fielmann wird beispielsweise jedes Jahr für jeden eingestellten Mitarbeiter ein Baum gepflanzt. So profitieren Natur und Unternehmensimage gleichermaßen und die Marke entwickelt sich authentisch weiter, ohne ihre Wurzeln zu kappen.

Die Entscheidung zwischen Revolution und Evolution muss datengestützt sein. Welchen Wert hat Ihre aktuelle Marke? Wie hoch ist die Loyalität Ihrer Stammkunden? Welche strategischen Ziele verfolgen Sie? Die Bewertung Ihres Unternehmens spielt auch hier eine Rolle. Ein Blick auf aktuelle Bewertungsfaktoren zeigt, wie unterschiedlich Branchen eingeschätzt werden und wie wichtig ein stabiles Geschäftsmodell ist.

Die folgende Tabelle, basierend auf einer Analyse der KMU-Multiples, verdeutlicht, wie sich die EBIT-Faktoren je nach Branche unterscheiden, was die strategische Bedeutung einer stabilen Markenpositionierung unterstreicht.

Aktuelle EBIT-Multiples nach Unternehmensgröße und Branche
Unternehmenstyp Umsatzgröße EBIT-Multiple 2024 EBIT-Multiple 2025
Baugewerbe Bis 5 Mio. € 4,8 5,1
Dienstleister Bis 5 Mio. € 3,7 3,9
IuK-Branche Bis 5 Mio. € 5,5 5,7

Ein Redesign ist eine Investition, die das EBIT kurzfristig belasten kann. Sie muss sich also durch eine langfristig höhere Markenrelevanz und damit einen höheren Multiple oder ein höheres EBIT rechtfertigen. Die Abwägung zwischen dem Risiko, Stammkunden zu verlieren, und der Chance, neue Märkte zu erobern, ist der Kern dieser strategischen Entscheidung.

Wie ein Design-System verhindert, dass Ihre CI verwässert, wenn Sie international expandieren?

Eine Expansion ins Ausland ist ein kritischer Test für jede Corporate Identity. Neue Märkte, neue Kulturen und neue Mitarbeiterteams bringen die Gefahr der „Markenverwässerung“ mit sich. Was in Deutschland als professionell und klar wahrgenommen wird, kann in einem anderen Land kühl oder unverständlich wirken. Wenn jedes Landesteam beginnt, die CI nach eigenem Ermessen zu interpretieren, entstehen schnell Dutzende von Markenvarianten. Das Ergebnis ist ein fragmentierter, inkonsistenter globaler Auftritt, der den Markenwert schwächt, anstatt ihn zu stärken.

Die strategische Lösung für dieses Problem ist ein zentrales Design-System. Dies ist weit mehr als ein simples PDF-Manual. Ein modernes Design-System ist eine lebendige, digitale Plattform – eine „Single Source of Truth“ für Ihre Marke. Es enthält nicht nur Design-Elemente wie Logos, Farben und Schriftarten, sondern auch wiederverwendbare Code-Komponenten für Webseiten und Apps, Richtlinien für die Tonalität in verschiedenen Sprachen und Best-Practice-Beispiele. Es gibt den internationalen Teams einen klaren Rahmen vor, lässt aber gleichzeitig genug Flexibilität für lokale Anpassungen (z.B. bei Bildwelten oder Kampagnen).

Die Notwendigkeit solcher Systeme wird durch kulturelle Unterschiede bei der Markenwahrnehmung untermauert. Eine internationale NPS-Vergleichsstudie zeigt dies deutlich: Während in den USA Marken wie Tesla (NPS 97) und Apple (NPS 89) extrem hohe Werte erreichen, sind deutsche Konsumenten traditionell kritischer. Ein Design-System hilft, den globalen Markenkern konsistent zu halten, während die Kommunikation an die jeweilige kulturelle Erwartungshaltung angepasst werden kann. Es ist das Rückgrat, das sicherstellt, dass Ihre Marke global wiedererkannt wird und als einheitliches, starkes Marken-Asset in die Unternehmensbewertung einfließt, anstatt in viele kleine, wertlose Teile zu zerfallen.

Wie setzen Sie Richtlinien durch, ohne die Kreativität der Mitarbeiter zu ersticken?

Die Einführung von CI-Richtlinien stößt oft auf einen inneren Widerstand: die Angst, die Kreativität und Eigeninitiative der Mitarbeiter durch ein starres Regelkorsett zu behindern. Vertriebsmitarbeiter wollen ihre Präsentationen individualisieren, Marketingteams mit neuen Designs experimentieren. Wenn Richtlinien als Diktat von oben wahrgenommen werden, führen sie zu Frustration und werden bei erster Gelegenheit umgangen. Der Schlüssel liegt nicht in strikter Kontrolle, sondern in einem Konzept, das man als „Freedom within a Framework“ (Freiheit innerhalb eines Rahmens) bezeichnen kann.

Dieser Ansatz bedeutet, den Mitarbeitern nicht nur zu sagen, was sie tun sollen, sondern zu erklären, warum sie es tun sollen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung der Markenstrategie und der Kernwerte. Statt 100 starre Vorlagen vorzugeben, stellt man ein flexibles Baukastensystem (das Design-System) bereit, das kreative Lösungen innerhalb der Markengrenzen ermöglicht. Es geht darum, Leitplanken zu setzen, statt einen engen Tunnel zu bauen. Mitarbeiter, die die Vision hinter der Marke verstehen, werden zu Markenbotschaftern, die die Richtlinien nicht als Last, sondern als Orientierungshilfe sehen.

Visualisierung des Freedom within Framework Konzepts für Mitarbeiterkreativität

Die Rolle der Mitarbeiter ist dabei zentral. Ihre Identifikation mit dem Unternehmen ist entscheidend für einen hohen Wiedererkennungswert nach außen. Dies wird als Corporate Behavior bezeichnet: das Verhalten der Mitarbeiter und Führungskräfte untereinander und im Umgang mit Kunden. Dieses Verhalten ist der lebendigste Teil Ihrer CI. Eine flexible CI, die auf klaren Werten basiert, ermöglicht es den Mitarbeitern, authentisch zu handeln und gleichzeitig die Marke zu stärken. Es geht darum, Prinzipien zu vermitteln, nicht nur Regeln. So schaffen Sie eine Kultur, in der Konsistenz und Kreativität keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig beflügeln.

Wie bringen Sie 500 Mitarbeitern bei, die neue Unternehmenssprache im E-Mail-Verkehr auch wirklich zu nutzen?

Die Einführung einer neuen Corporate Language – also einer einheitlichen Tonalität und Wortwahl – ist eine der größten Herausforderungen bei der Implementierung einer CI. Es ist leicht, ein Handbuch zu schreiben, aber extrem schwer, die täglichen Gewohnheiten von Hunderten Mitarbeitern zu ändern. Besonders im E-Mail-Verkehr, wo täglich Tausende von Nachrichten das Unternehmen verlassen, ist die konsistente Umsetzung entscheidend für den Markenauftritt. Eine Anweisung per Rundmail wird hier nicht ausreichen.

Der Erfolg hängt von einer durchdachten Implementierungsstrategie ab, die weit über die reine Information hinausgeht. Sie müssen die Mitarbeiter befähigen und motivieren. Das bedeutet:

  • Schulungen und Workshops: Zeigen Sie den Mitarbeitern an konkreten Beispielen (gute und schlechte E-Mails), was die neue Sprache bedeutet. Üben Sie Formulierungen und erklären Sie die strategischen Gründe für die Änderung.
  • Einfache Werkzeuge: Stellen Sie Textbausteine für wiederkehrende Situationen (Angebote, Reklamationen, Anfragen) zur Verfügung. Integrieren Sie eine unternehmensweite E-Mail-Signatur-Lösung, die Konsistenz automatisch sicherstellt.
  • Vorbildfunktion: Die Führungsebene muss die neue Sprache selbst vorleben. Wenn der CEO weiterhin in altem Stil kommuniziert, wird niemand die Änderung ernst nehmen.
  • Positives Feedback: Etablieren Sie einen Prozess, in dem gelungene Beispiele für die neue Kommunikation geteilt und gelobt werden. Gamification-Ansätze können die Motivation zusätzlich steigern.

Ein gutes Beispiel für gelebtes Corporate Behavior ist Starbucks. Die konsequente „Du-Politik“ oder die grüne Schürze sind Teil einer tief verankerten Kultur, die jeder Mitarbeiter von Anfang an verinnerlicht. Der Schlüssel ist nicht Zwang, sondern die Schaffung eines Umfelds, in dem die gewünschte Kommunikation zur neuen Normalität wird. Es ist ein Prozess des Change Managements, der Geduld, klare Kommunikation und die richtigen Werkzeuge erfordert.

Das Wichtigste in Kürze

  • CI ist ein Werttreiber, kein Kostenfaktor: Jede Verbesserung der Markenkonsistenz steigert direkt Ihr EBIT und damit überproportional den Unternehmenswert.
  • Details entscheiden über Professionalität: Inkonsistenz an kleinen Kontaktpunkten (z.B. Lieferschein) wird von Investoren als unternehmerisches Risiko und mangelnde Sorgfalt interpretiert.
  • Evolution vor Revolution: Ein radikales Redesign birgt das hohe Risiko, loyale Stammkunden zu verlieren. Eine stetige, wertebasierte Weiterentwicklung ist oft der sicherere Weg zur Werterhaltung und -steigerung.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Marke auch dann konsistent bleibt, wenn der Praktikant postet?

Die größte Gefahr für die Markenkonsistenz lauert im Alltagsgeschäft. Ein schnell erstellter Social-Media-Post vom Praktikanten, eine hastig entworfene Präsentation vom Vertrieb, eine E-Mail vom neuen Mitarbeiter – jeder dieser Momente kann die mühsam aufgebaute Markenwahrnehmung beschädigen. Die Frage ist also nicht, *ob* Abweichungen passieren, sondern wie Sie ein System schaffen, das diese minimiert und die Marke robust genug macht, um sie zu überstehen. Die Antwort liegt in der Kombination aus Systemen, Kultur und Befähigung.

Ein zentrales Design-System, klare Sprachregelungen und einfach zugängliche Vorlagen sind die technische Basis. Sie senken die Hürde für die Erstellung markenkonformer Inhalte drastisch. Wenn es für den Praktikanten einfacher ist, eine korrekte Vorlage zu nutzen, als selbst etwas zu basteln, haben Sie schon viel gewonnen. Doch Werkzeuge allein reichen nicht. Entscheidend ist die kulturelle Verankerung. Jeder Mitarbeiter, vom CEO bis zum Praktikanten, muss verstehen, dass er ein Markenbotschafter ist und dass sein Handeln direkten Einfluss auf den Unternehmenswert hat.

Kunden reagieren in der Regel sehr sensibel, wenn sich die CI ihrer bevorzugten Marke ändert. In manchen Fällen führt eine Änderung des Erscheinungsbilds der Marke sogar dazu, dass sich jahrelange Kunden abwenden. Wenn Sie die Corporate Identity Ihres Unternehmens verändern möchten, sollten Sie sich Unterstützung von Experten holen und eine Strategie erarbeiten.

– lexware.de

Am Ende läuft alles auf die fundamentale Formel der Unternehmensbewertung zurück, wie sie auch die EBIT-Multiples-Methode zeigt: Unternehmenswert = EBIT * Multiplikator. Inkonsistenz führt zu Kundenverlust, Ineffizienz und höheren Kosten – sie senkt das EBIT. Eine schwache Marke führt zu einem niedrigeren Multiplikator, da Investoren das Risiko höher einschätzen. Eine starke, konsistente Corporate Identity hingegen schafft Vertrauen, Effizienz und Loyalität. Sie steigert das EBIT und rechtfertigt einen höheren Multiplikator. Ihre Marke ist somit kein Beiwerk, sondern das Betriebssystem, das den Wert Ihrer gesamten Arbeit maximiert.

Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Corporate Identity nicht länger als Ausgabe, sondern als eine Ihrer wertvollsten Investitionen zu betrachten. Führen Sie ein internes Audit durch und identifizieren Sie die Hebel, die den größten Einfluss auf Ihre Markenwahrnehmung und damit auf Ihren Unternehmenswert haben.

Häufige Fragen zur Steigerung des Unternehmenswerts durch Corporate Identity

Wie entwickelt man eine flexible Corporate Identity?

Die Entwicklung einer Corporate Identity beginnt mit der Definition der Unternehmenswerte und -ziele, gefolgt von der Gestaltung des Corporate Designs, der Festlegung der Kommunikationsstrategien und der Förderung einer einheitlichen Unternehmenskultur.

Welche Rolle spielen Mitarbeiter bei der CI?

Die Identität soll sowohl intern bei den Mitarbeitern als auch extern bei Kunden und Geschäftspartnern einen hohen Wiedererkennungswert erzeugen. Mitarbeiter sind die wichtigsten Markenbotschafter.

Wie wichtig ist das Corporate Behavior?

Das Corporate Behavior, also das Verhalten der Mitarbeiter und Führungskräfte im Unternehmen sowie deren Auftreten nach außen, ist der gelebte und damit glaubwürdigste Teil der Corporate Identity.

Geschrieben von Lukas Eder, Creative Director für UI/UX-Design und Corporate Identity. 10 Jahre Erfahrung in der Gestaltung konversionsstarker Websites und digitaler Markenauftritte.