Veröffentlicht am März 11, 2024

Die Annahme, „Männer über 50“ sei eine kaufkräftige, homogene Zielgruppe, ist der größte Bremsklotz für effektives Marketing.

  • Psychografische Milieus (Werte, Lebensstil) sind aussagekräftiger als demografische Merkmale (Alter, Geschlecht).
  • Kunden „heuern“ Produkte für einen spezifischen „Job-to-be-Done“ an – das ist das wahre Kaufmotiv.

Empfehlung: Ersetzen Sie demografische Personas durch tiefgreifende Analysen des Buying Centers und der wahren Aufgabe Ihres Produkts.

Sie kennen das: Das Marketing-Team präsentiert eine neue Persona. „Unser Zielkunde: Klaus, 55, Ingenieur, verheiratet, hohes Einkommen, liest die FAZ.“ Auf dieser Basis werden Budgets verteilt, Kampagnen entworfen und Produkte positioniert. Die Kategorie „Männer über 50“ scheint eine sichere Bank zu sein – kaufkräftig, markentreu und vermeintlich einfach zu verstehen. Man spricht über Werte wie Qualität, Sicherheit und Tradition. Doch diese Vereinfachung ist nicht nur ungenau, sie ist gefährlich und führt zu massiven Streuverlusten.

Was, wenn diese gesamte Kategorie ein Trugschluss ist? Was, wenn der 55-jährige Manager, der einen Tesla least, psychologisch mehr mit einer 30-jährigen Start-up-Gründerin gemeinsam hat als mit seinem gleichaltrigen Nachbarn, der seinen Schrebergarten pflegt? Das demografische Raster versagt, weil es die wichtigste Frage ignoriert: die Frage nach dem „Warum“. Warum trifft ein Mensch eine Kaufentscheidung? Die Antwort liegt nicht in seinem Geburtsdatum, sondern in seinen Werten, seinem Lebensstil und der konkreten Aufgabe, die er mit einem Produkt lösen möchte.

Dieser Artikel bricht mit dem Mythos der demografischen Zielgruppen und gibt Ihnen ein psychologisch fundiertes Werkzeug an die Hand. Wir werden erforschen, wie Sie von starren Kategorien zu dynamischen, psychografischen Milieus übergehen. Sie lernen, das Konzept des „Jobs-to-be-Done“ zu nutzen, um die wahren, oft verborgenen Kaufmotive Ihrer Kunden zu entschlüsseln. So entwickeln Sie eine Ansprache, die nicht nur die richtige Person, sondern den richtigen Moment und die richtige Motivation trifft.

Der folgende Leitfaden führt Sie schrittweise durch die Dekonstruktion alter Marketing-Mythen und den Aufbau einer präzisen, psychologisch fundierten Zielgruppenstrategie. Entdecken Sie, wie Sie Ihre Kunden wirklich verstehen und ansprechen.

Wie tickt das konservativ-etablierte Milieu im Vergleich zu den expeditiven Performern?

Der erste Schritt weg von der demografischen Falle ist das Verständnis von psychografischen Milieus. Diese Modelle, wie die in Deutschland etablierten Sinus-Milieus, gruppieren Menschen nicht nach Alter oder Einkommen, sondern nach ihrer Lebensauffassung, ihren sozialen Werten und ihrem Lebensstil. Ein 55-Jähriger kann dem „Konservativ-Etablierten Milieu“ angehören, das auf Status, Ordnung und Exklusivität Wert legt. Ein anderer 55-Jähriger gehört vielleicht zu den „Expeditiven Performern“, einer erfolgsorientierten, global denkenden Elite, die ständig nach neuen Grenzen und Effizienz sucht. Beide sind „Männer über 50“, aber ihre Kaufmotive könnten nicht unterschiedlicher sein.

Der Konservativ-Etablierte kauft eine Luxusuhr als Statussymbol und Beweis für seinen Erfolg. Der angetriebene Performer kauft eine Smartwatch, um seine Leistung zu tracken und produktiver zu sein. Das Alter ist identisch, der psychologische Treiber fundamental verschieden. Die Verteilung dieser Milieus ist dabei keineswegs trivial. Aktuellen Daten zufolge leben beispielsweise jeweils 12 Prozent der Bevölkerung in Deutschland im Postmateriellen Milieu und in der Adaptiv-Pragmatischen Mitte – Gruppen, die sich kaum über klassische Demografie fassen lassen.

Diese psychografische Segmentierung ist weitaus trennschärfer als soziodemografische Merkmale. Eine Studie des Sinus-Instituts zum Thema Wohnen zeigt, dass die negative Zukunftserwartung bezüglich der eigenen Wohnsituation viel stärker von der Milieu-Zugehörigkeit abhängt als von Alter, Geschlecht oder Bildung. Wer die Werte und die Mentalität seiner Zielgruppe versteht, kann Bedürfnisse antizipieren und eine viel relevantere Kommunikation gestalten, die weit über oberflächliche Merkmale hinausgeht.

Wer entscheidet wirklich: Wie Sie Nutzer, Entscheider und Abzeichner im Unternehmen identifizieren?

Besonders im B2B-Umfeld ist die Vorstellung eines einzelnen „Kunden“ eine gefährliche Illusion. Hinter jeder unternehmerischen Kaufentscheidung steht ein komplexes soziales Gefüge, das als Buying Center bezeichnet wird. Die demografische Persona „Einkaufsleiter, 52 Jahre“ greift hier viel zu kurz. Um erfolgreich zu sein, müssen Sie die verschiedenen Rollen in diesem Entscheidungsprozess identifizieren und gezielt ansprechen. Wer ist der tatsächliche Nutzer (User), der täglich mit Ihrem Produkt arbeiten muss? Wer ist der Entscheider (Decider), der die finale Freigabe erteilt, oft aus einer strategischen oder budgetären Perspektive? Wer ist der Abzeichner (Approver), der vielleicht nur formal unterschreibt, aber durch interne Richtlinien zum Veto-Spieler werden kann?

Die Bedürfnisse dieser Akteure sind oft widersprüchlich. Der Nutzer wünscht sich eine einfache Bedienung und maximale Funktionalität. Der Entscheider achtet primär auf den ROI und die Skalierbarkeit. Der IT-Leiter (Gatekeeper) sorgt sich um Datensicherheit und Integrationsfähigkeit. Ihre Marketingbotschaft muss für jede dieser Rollen eine spezifische Antwort liefern. Eine rein produktzentrierte Ansprache, die nur auf den Nutzer zielt, wird beim Entscheider scheitern. Eine rein preisgetriebene Argumentation ignoriert die täglichen Schmerzpunkte des Anwenders.

Geschäftsleute in verschiedenen Rollen bei einer strategischen Besprechung

Die Kunst besteht darin, das Beziehungsgeflecht und die individuellen Motivationen innerhalb des Buying Centers zu verstehen. Jede Person, mit der Sie keinen Kontakt hatten, stellt eine potenzielle Gefahr für den Verkaufsabschluss dar. Die systematische Analyse dieser Rollen ist kein „Nice-to-have“, sondern die Grundlage für präzise B2B-Vertriebsstrategien, die weit über das Alter oder die Position des ersten Ansprechpartners hinausgehen.

Ihr Fahrplan zur Analyse des Buying Centers

  1. Rollen definieren: Sprechen Sie mit möglichst allen involvierten Personen und dokumentieren Sie deren individuelle Wünsche, Ziele und Kaufkriterien.
  2. Gefahren identifizieren: Listen Sie alle Personen im potenziellen Buying Center auf, zu denen Sie noch keinen Kontakt hatten – dies sind Ihre größten Risiken.
  3. Muster erkennen: Prüfen Sie Meeting-Protokolle und E-Mail-Verläufe, um wiederkehrende Teilnehmer und deren Einfluss zu identifizieren.
  4. Timing optimieren: Stellen Sie die Frage nach weiteren Entscheidern gezielt gegen Ende des ersten Gesprächs, nachdem Sie bereits Vertrauen aufgebaut haben.
  5. Verbündete schaffen: Übergehen Sie niemals Ihren ersten Ansprechpartner. Holen Sie ihn stattdessen ins Boot und machen Sie ihn zu Ihrem internen Champion.

Nicht den Bohrer verkaufen, sondern das Loch: Wie Sie die wahre Aufgabe Ihres Produkts finden?

Die vielleicht radikalste Abkehr vom demografischen Denken bietet das „Jobs-to-be-Done“-Framework (JTBD), das von Harvard-Professor Clayton Christensen popularisiert wurde. Die Kernthese ist ebenso einfach wie revolutionär: Kunden kaufen keine Produkte. Sie „heuern“ Produkte an, um eine bestimmte Aufgabe in ihrem Leben zu erledigen („to get a job done“). Das demografische Profil („wer der Kunde ist“) wird zweitrangig gegenüber dem Kontext und dem Ziel („warum er das Produkt braucht“).

Customers don’t buy products. They hire products to complete a task.

– Clayton Christensen, Harvard Business School Professor und Jobs-to-be-Done Pionier

Die wahre Aufgabe Ihres Produkts zu verstehen, eröffnet völlig neue Innovations- und Marketingperspektiven. Es geht nicht mehr darum, Ihren Bohrer mit mehr Watt oder einem ergonomischeren Griff auszustatten. Es geht darum, zu verstehen, dass der Kunde in Wirklichkeit ein sauberes, präzises Loch in der Wand möchte, um ein Bild aufzuhängen und sein Zuhause zu verschönern. Vielleicht ist Ihr wahrer Konkurrent also nicht ein anderer Bohrerhersteller, sondern ein extrem starkes, rückstandsfreies Klebeband. Studien, die Hunderte von Unternehmen mit dem JTBD-Framework analysierten, berichten von einer Erfolgsquote von bis zu 86% bei der Entwicklung und Verbesserung von Produkten.

Fallstudie: Der wahre „Job“ des Milchshakes

Das berühmteste Beispiel für JTBD ist Christensens Analyse von Milchshake-Verkäufen. Eine Fast-Food-Kette wollte den Absatz steigern und versuchte es mit neuen Geschmacksrichtungen und günstigeren Preisen – ohne Erfolg. Erst als die Forscher die Kunden befragten, entdeckten sie den wahren „Job“: Viele Kunden kauften den Milchshake morgens auf dem Weg zur Arbeit. Sie hatten ihn „angeheuert“, um die lange, langweilige Pendelfahrt zu überbrücken und den Hunger bis zum Mittagessen zu stillen. Der dicke, sättigende Shake, der lange zum Trinken brauchte, erledigte diesen Job perfekt. Die wahren Konkurrenten waren nicht andere Getränke, sondern Bananen, Bagels oder schlicht die Langeweile.

Wenn Sie den wahren „Job“ identifizieren, den Ihr Produkt erledigt, können Sie Ihre Kommunikation präzise auf diesen Kontext ausrichten. Sie sprechen nicht mehr eine demografische Gruppe an, sondern eine spezifische Bedürfnissituation, die Menschen jeden Alters und jeder Herkunft haben können.

Warum Sie A-Kunden anders behandeln müssen als C-Kunden, um profitabel zu bleiben?

Die klassische ABC-Kundenanalyse, die Kunden rein nach ihrem Umsatz segmentiert, ist ein weiterer Bereich, der durch eine psychografische Brille neu bewertet werden muss. Ein A-Kunde ist nicht zwangsläufig derjenige, der am meisten Geld ausgibt. Ein wahrer A-Kunde ist derjenige, dessen „Job-to-be-Done“ perfekt zu Ihrer Lösung passt, der Ihre Werte teilt, wenig Support benötigt und als Botschafter für Ihre Marke agiert. Ein umsatzstarker Kunde, der jedoch ständig Sonderwünsche hat, Rabatte fordert und Ihre Support-Ressourcen überlastet, ist in Wirklichkeit ein profitabilitätsfressender C-Kunde in Verkleidung.

Die strategische Aufgabe besteht darin, Ihre wertvollsten Kunden – die A-Kunden – zu identifizieren und ihnen ein außergewöhnliches Erlebnis zu bieten. Das bedeutet nicht nur priorisierten Service, sondern eine proaktive Betreuung, exklusiven Zugang zu neuen Features und eine partnerschaftliche Kommunikation. Für B-Kunden, die Potenzial haben, aber noch nicht zur Spitze gehören, können standardisierte, aber hochwertige Prozesse etabliert werden. Für C-Kunden ist oft ein reines Self-Service-Modell die wirtschaftlichste Lösung. Es geht darum, Ihre wertvollste Ressource – die Zeit Ihrer Mitarbeiter – gezielt dort zu investieren, wo der höchste Ertrag entsteht.

Eine solche differenzierte Behandlung ist kein Zeichen von Geringschätzung, sondern eine kaufmännische Notwendigkeit. Sie stellt sicher, dass Ihre profitabelsten Beziehungen gepflegt werden und nicht durch die Probleme unpassender Kunden kannibalisiert werden. Eine gestaffelte Servicestruktur ist ein transparentes und faires Mittel, um diese strategische Ausrichtung im Alltag umzusetzen.

Gestaffelte Servicemodelle nach Kundenwert
Kundenkategorie Servicemodell Ansprechpartner Reaktionszeit
A-Kunden Dedizierter Account Manager Persönlicher Berater Sofort/Priorisiert
B-Kunden Priorisierter E-Mail-Support Team-Support Innerhalb 4 Stunden
C-Kunden Self-Service-Portal Wissensdatenbank Standard-Geschäftszeiten

Diese bewusste Ungleichbehandlung ist die Grundlage für ein skalierbares und profitables Geschäftsmodell. Sie ermöglicht es Ihnen, Exzellenz für die Richtigen zu liefern, anstatt Mittelmäßigkeit für alle.

Wen wollen Sie auf keinen Fall als Kunden: Die Strategie der bewussten Ausgrenzung

Eine der mutigsten und effektivsten Marketingstrategien ist es, nicht nur zu definieren, wen Sie ansprechen wollen, sondern auch, wen Sie bewusst ausschließen. Anstatt das Marketing-Netz so weit wie möglich auszuwerfen, konzentrieren Sie sich auf einen klar definierten Kern. Dies geschieht durch die Entwicklung einer sogenannten Anti-Persona. Diese beschreibt den Typus Kunde, der nicht zu Ihrem Unternehmen passt, unprofitabel ist und dem Sie höflich, aber bestimmt den Weg zur Konkurrenz weisen sollten.

Die Erstellung einer Anti-Persona ist ein datengetriebener Prozess. Analysieren Sie gekündigte Kunden: Was waren die Gründe? Werten Sie systematisch Projekte aus, die unprofitabel waren oder den Rahmen sprengten. Identifizieren Sie Kunden mit den meisten Support-Tickets. Oft kristallisieren sich klare Muster heraus: ein extremer Preis-Fokus, mangelnde Technik-Affinität, unrealistische Erwartungen oder die Tendenz zum „Scope Creep“, also der ständigen Ausweitung des Projektumfangs. Diese Merkmale bilden das Fundament Ihrer Anti-Persona.

Abstrakte Darstellung der strategischen Kundenausgrenzung durch Filterprozesse

Diese bewusste Ausgrenzung hat enorme Vorteile. Sie schärft Ihr Markenprofil, da Sie klar kommunizieren, wofür Sie stehen – und wofür nicht. Ihre Vertriebs- und Marketingteams können ihre Energie auf die vielversprechendsten Leads konzentrieren, was die Effizienz und die Moral steigert. Durch gezielte Qualifizierungsfragen im Verkaufsprozess können unpassende Interessenten frühzeitig und ressourcenschonend aussortiert werden. Letztendlich führt diese Strategie zu einem gesünderen, profitableren und zufriedeneren Kundenstamm. Zu wissen, wen man nicht als Kunden will, ist kein Elitismus, sondern strategische Klugheit.

Warum funktionieren Zwillingszielgruppen nicht mehr so gut wie 2018 und was tun Sie dagegen?

Jahrelang waren „Lookalike Audiences“ oder Zwillingszielgruppen das Wundermittel im Performance Marketing. Man lud eine Liste seiner besten Kunden hoch und die Algorithmen von Facebook oder Google fanden automatisch statistische Zwillinge. Doch diese Methode, die stark auf dem Verhalten und den Interessen basiert, die über Third-Party-Cookies getrackt werden, verliert rapide an Wirkung. Der Grund ist eine tektonische Verschiebung in der digitalen Landschaft: der Fokus auf Datenschutz.

Neue Datenschutzbestimmungen zeigen, dass die Ära des großflächigen Trackings zu Ende geht. So werden ab Juli 2024 Third-Party-Cookies in Chrome abgeschafft, und ein effektives Conversion-Tracking ohne explizite Nutzereinwilligung (Consent) ist bereits heute kaum mehr möglich. Die Datenbasis für Lookalike-Algorithmen wird dünner und unzuverlässiger. Blind auf „statistische Zwillinge“ zu vertrauen, deren Gemeinsamkeiten man nicht kennt, führt zunehmend ins Leere.

Was ist die Alternative? Die Rückbesinnung auf Ihre wertvollsten Daten: First-Party Data. Das sind die Informationen, die Ihnen Ihre Kunden direkt und freiwillig geben. Anstatt zu versuchen, 100% des Marktes mit vagen Ähnlichkeiten zu erreichen, sollten Sie sich auf die 20% Ihrer Kunden konzentrieren, die 80% Ihres Umsatzes generieren (das Pareto-Prinzip). Analysieren Sie diese Top-Kundengruppe tiefgreifend: Welche „Jobs“ erledigen sie mit Ihrem Produkt? Welchen psychografischen Milieus gehören sie an? Nutzen Sie diese Erkenntnisse, um Ihre Kommunikation und Ihr Content-Marketing so relevant zu gestalten, dass Sie organisch mehr von diesen „richtigen“ Kunden anziehen. Anstatt auf Blackbox-Algorithmen zu hoffen, bauen Sie eine direkte, vertrauensvolle Beziehung zu Ihrer Kernzielgruppe auf.

Direkt oder höflich-distanziert: Wie unterscheidet sich die Ansprache im Vertrieb zwischen Norddeutschland und Zürich?

Selbst wenn Sie Ihre Zielgruppe psychografisch und nach ihrem „Job-to-be-Done“ perfekt segmentiert haben, gibt es eine weitere Ebene der Komplexität: die regionale Kultur. Die Art und Weise, wie Geschäfte gemacht, Vertrauen aufgebaut und kommuniziert wird, kann sich selbst innerhalb des deutschsprachigen Raums drastisch unterscheiden. Eine Botschaft, die in Hamburg als erfrischend direkt und effizient empfunden wird, kann in Zürich als unhöflich und plump wahrgenommen werden.

Ein norddeutscher Geschäftspartner, beispielsweise in Hamburg oder Bremen, schätzt in der Regel eine faktenorientierte, schnörkellose Kommunikation. Man „schnackt nicht lange“, sondern kommt zum Punkt. Eine E-Mail mit dem Betreff „Effizienzsteigerung Ihrer Logistikprozesse“ wird hier wahrscheinlich auf offene Ohren stoßen. Ganz anders in der Schweiz: In Zürich ist die Geschäftskommunikation oft formeller, qualitätsfixierter und risikoscheuer. Hier zählt der Nachweis von Sicherheit, Zuverlässigkeit und höchster Qualität. Ein Betreff wie „Anfrage bezüglich einer hochwertigen und sicheren Lösung für Ihre Logistik“ ist hier deutlich erfolgversprechender.

Auch der Umgang mit Formalitäten wie akademischen Titeln variiert. Während ein „Dr.“ oder „Prof.“ in einem modernen Berliner Start-up-Milieu kaum eine Rolle spielt, kann die korrekte Nennung in konservativeren Regionen Deutschlands oder in der Schweiz ein wichtiges Zeichen des Respekts sein und Türen öffnen. Diese kulturellen Nuancen zu ignorieren, kann selbst die beste Marketingstrategie zunichtemachen. Wahre Meisterschaft in der Kundenansprache bedeutet, die globale Strategie an die lokalen Gepflogenheiten anzupassen und so kulturelle Empathie zu beweisen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Demografie ist ein Ausgangspunkt, niemals das Ziel. Psychografische Merkmale sind entscheidend.
  • Der „Job-to-be-Done“ ist das wahre Kaufmotiv, nicht das Produktmerkmal.
  • Strategische Ausgrenzung (Anti-Personas) steigert die Profitabilität und schärft die Markenbotschaft.

Wie Sie jedem Website-Besucher eine individuelle Reise bieten, die sich in Echtzeit anpasst?

Die ultimative Synthese aus psychologischem Verständnis, JTBD und Datenschutz-Konformität ist die dynamische Personalisierung. Das Ziel ist es, jedem Website-Besucher eine individuelle „Customer Journey“ zu bieten, die sich in Echtzeit an seine Bedürfnisse anpasst. Das klingt nach einer datenschutzrechtlichen Herkulesaufgabe, ist aber mit der richtigen Strategie lösbar. Der Schlüssel liegt darin, von Third-Party-Daten (die sterben) auf Zero- und First-Party-Daten umzusteigen.

First-Party Data sind Verhaltensdaten, die Sie auf Ihrer eigenen Website sammeln (z.B. welche Seiten ein Nutzer besucht). Zero-Party Data sind Informationen, die Ihnen ein Nutzer bewusst und proaktiv gibt, z.B. durch einen Konfigurator, ein Quiz oder eine Umfrage. Die gute Nachricht: DSGVO und Personalisierung schließen sich nicht aus. Im Gegenteil, wer intelligent mit Daten umgeht und die Einwilligung der Nutzer ernst nimmt, kann die Kundenbeziehung sogar stärken.

Stellen Sie sich vor: Ein Besucher landet auf Ihrer Seite. Anstatt ihm alles zu zeigen, stellen Sie ihm eine einfache Frage: „Was ist Ihr größtes Ziel?“ oder „Für welche Branche suchen Sie eine Lösung?“. Basierend auf seiner Antwort passen Sie die angezeigten Inhalte, Fallstudien und Call-to-Actions dynamisch an. Dies löst das große Daten-Paradoxon unserer Zeit: Eine Studie von Accenture Strategy zeigt, dass 49% der Verbraucher frustriert sind, wenn Unternehmen keine personalisierten Erlebnisse bieten, während gleichzeitig 54% Bedenken beim Schutz ihrer Daten haben. Der Ansatz über Zero-Party-Data löst diesen Konflikt, denn der Nutzer gibt seine Daten freiwillig im Austausch für einen klaren Mehrwert.

Diese Form der Personalisierung ist nicht nur effektiver, sondern auch respektvoller. Sie behandeln Ihre Besucher nicht als anonyme Datenpunkte, sondern als Individuen mit spezifischen Zielen. Anstatt zu raten, was ein „Mann über 50“ wollen könnte, fragen Sie ihn einfach – und liefern dann die perfekte Antwort.

Beginnen Sie noch heute damit, eine einzelne demografische Persona zu hinterfragen und stattdessen den ersten „Job-to-be-Done“ in Ihrem Kundenstamm zu identifizieren. Das ist der erste Schritt zu einem Marketing, das nicht nur verkauft, sondern versteht.

Häufig gestellte Fragen zur psychografischen Zielgruppenansprache

Wie unterscheidet sich die Ansprache in Norddeutschland?

Die Kommunikation in Hamburg oder Bremen ist typischerweise direkt, faktenorientiert und schnörkellos. Man „schnackt nicht lange“. Ein effektiver Betreff für eine E-Mail könnte lauten: „Effizienzsteigerung Ihrer Logistikprozesse“.

Was ist bei der Schweizer Geschäftskommunikation zu beachten?

In Zürich ist der Ton sehr formell, qualitätsfixiert und risikoscheu. Der Fokus liegt auf Sicherheit und nachgewiesener Hochwertigkeit. Ein passender Betreff wäre hier: „Anfrage bezüglich einer hochwertigen und sicheren Lösung für Ihre Logistik“.

Welche Bedeutung haben akademische Titel?

Die Bedeutung von akademischen Titeln wie Dr. oder Prof. ist in konservativeren Regionen sowie in der Schweiz deutlich höher als in moderneren deutschen Milieus. Die korrekte Nennung ist dort ein wichtiges Zeichen des Respekts.

Geschrieben von Maximilian von Stein, Senior Marketing-Stratege mit Schwerpunkt Inbound-Marketing und Content-Skalierung für den B2B-Mittelstand. Über 15 Jahre Erfahrung in der Entwicklung profitabler Marketing-Automatisierungsprozesse.