Webtexterin und Bloggerin aus der Schweiz im Interview

Interview mit einer BloggerinDas allererste Interview auf Blogger Zone führe ich mit der Webtexterin und Bloggerin Barbara Frolik vom WordWeb-Blog. Barbara kommt aus der Schweiz, hat vor zwei Jahren den Weg in die Selbständigkeit gewagt und ist mit WordWeb seit Juni 2009 am Start. Aber da man bekanntlich nicht auf einem Bein stehen kann, hat sie natürlich auch noch andere Projekte am Start, die im World Wide Web bestaunt werden können.

1. Barbara, erzähl doch mal, wer Du bist und vor allem, was Du beruflich machst. Spannend ist für mich, was du mit Deinem Blog WordWeb vermitteln möchtest.
An dieser Frage studiere ich bei jedem Interview am längsten herum. Ich bin ein Mensch mit vielen Gesichtern, deshalb fällt es mir immer wieder schwer, mich in ein paar kurzen Sätzen zu beschreiben. Beruflich habe ich vor einigen Jahren das Texten für mich entdeckt. Nach dem Abschluss meines Studiums arbeitete ich drei Jahre lang als Webtexterin und Content-Spezialistin bei einer Werbeagentur. Vor knapp zwei Jahren wagte ich den Sprung in die Selbständigkeit.

Mein Blog ist mir aus vielen Gründen sehr wichtig. Einerseits ist er ein wirksames Marketing-Werkzeug, andererseits macht mir das Schreiben und Recherchieren sehr viel Spaß. Mein Wissen gebe ich gerne weiter. Besonders wertvoll ist für mich auch der Austausch mit Gleichgesinnten. Über meinen Blog habe ich viele interessante Leute kennen gelernt, und es entstehen immer wieder anregende Diskussionen.

2. Auf Deinem Blog schreibst Du über Webdesign, Selbständigkeit, Texten usw. Woher nimmst Du das Wissen und die Ideen für Deine Artikel? Was sind für Dich dabei die besten Inspirationsquellen?
Die meisten meiner Artikel haben einen direkten Bezug zu meinem Arbeitsalltag. Themen, die mich beruflich beschäftigen, verarbeite ich mit hoher Wahrscheinlichkeit früher oder später zu einem Blog-Beitrag. Eine weitere wichtige Inspirationsquelle sind andere Blogs. Im Netz stoße ich immer wieder auf Themen, die zum Weiterdenken anregen.

3. Dein Blog existiert seit Juni 2009. Hast Du schon vorher Erfahrungen mit dem Bloggen sammeln können oder ist WordWeb Dein erstes Projekt? Gab es klassische Fehler am Anfang, die Du begangen hast und was würdest Du mit der Erfahrung von fast einem Jahr anders machen?
Vor WordWeb hatte ich einige private Blogs – unter anderem einen zum Thema Schafe. WordWeb ist aber mein erstes richtig professionelles Blog-Projekt. Mein größter Fehler war wohl die etwas zu breite Themenwahl und zu wenig zielgerichtete Themenwahl am Anfang. Ein Stück weit gehört es aber einfach dazu, dass man ausprobiert und Erfahrungen sammelt. Darauf kann man aufbauen. Erst mit der Zeit findet man heraus, welche Themen bei der Leserschaft ankommen und welche Artikel eher unbeachtet bleiben. Dabei erlebt man immer wieder Überraschungen.

4. Gerade in der Anfangsphase ist es schwer, Leser auf seinen Blog zu locken. Wie lange hat es bei Dir gedauert, bist Du für Dich die ersten Erfolge verzeichnen konntest? Gab es da auch Phasen, in denen Du an Dir und dem, was Du machst, gezweifelt hast?
Wirklich gezweifelt habe ich nie. Es ist aber wahr, dass das Bloggen am Anfang frustrierend sein kann. Auch wenn man von Anfang an interessante Artikel veröffentlicht und seine Sache gut macht, dauert es eine Weile, bis man wahrgenommen wird und die ersten Stammleser kommen. Nicht wenige Blogger geben deshalb nach kurzer Zeit auf.
Die ersten regelmäßigen Besucher hatte ich nach ein bis zwei Monaten. Richtig viele wurden es nach ungefähr einem halben Jahr. Danach ging es immer schneller aufwärts.

5. Wie wichtig sind für Dich Xing, Facebook und Twitter, um WordWeb bekannt zu machen? Über Twitter bin ich zum Beispiel auf Dich aufmerksam geworden, da Du eine ganze Menge interessanter Inhalte anbietest und das hat mein Interesse geweckt. Mittlerweile kannst Du eine beachtliche Anzahl an Verfolgern vorweisen. Kannst Du mal einige Tipps geben, wie Twitter am besten genutzt werden kann und was man vermeiden sollte?
Social-Media-Plattformen sind auf jeden Fall wichtig. Facebook nutze ich fast ausschließlich privat, und das ist auch gut so. Als Selbständiger muss man aufpassen, dass man Privates und Berufliches nicht zu sehr vermischt. Gerade mir fällt diese Abgrenzung oft schwer, deshalb versuche ich, mich durch klare Regeln (z.B. auch geregelte Arbeitszeiten) zu schützen.

Xing ist empfehlenswert, um geschäftliche Kontakte zu knüpfen. Andererseits mag ich die Ellenbogenmentalität in vielen Gruppen überhaupt nicht. Deshalb bin ich auf Xing nur mittelmäßig aktiv. Am häufigsten nutze ich Twitter. Über mein Twitter-Profil veröffentliche ich Links zu meinen eigenen Artikeln, empfehle aber auch andere interessante Inhalte weiter. Ein paar persönliche Tweets zwischendurch können ganz erfrischend sein und witzige Gespräche anregen. Vermeiden sollte man vor allem Spam und andere aufdringliche Tweets und Direktnachrichten. Aber das versteht sich eigentlich von selbst. Wichtig ist auch eine gewisse Regelmäßigkeit – zeitlich und thematisch.

6. Warum hast Du eigentlich den Weg in die Selbständigkeit gewählt? Welche Gründe gab es da für Dich und wie schwierig war und ist für Dich die Kundenakquise? Hat sich der Einsatz auf Twitter und Facebook auch schon gelohnt und konntest Du darüber Aufträge generieren?
Die Selbständigkeit ist für mich eine Berufung. Schon mit Anfang 20 träumte ich von einer eigenen Firma. Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch mit vielen Idealen und Interessen. Als Angestellte hatte ich immer das Gefühl, nur einen Bruchteil meines Potenzials ausschöpfen zu können, was mich sehr eingeengt hat. Neben einem 100%-Job hat man kaum Zeit für eigene kreative Projekte. Die Woche ist komplett durchstrukturiert, und selbst die Freizeitgestaltung ist mit Stress verbunden. Frühes Aufstehen, überfüllte Pendlerzüge, hastiges Mittagessen, chronische Müdigkeit, wenig Zeit und Energie für soziale Aktivitäten … das ist jetzt vorbei. Auch die Selbständigkeit hat ihre stressigen Seiten, aber insgesamt habe ich ein großes Stück Lebensqualität gewonnen.

Die Kundenakquise war am Anfang anstrengend, aber nicht so schwierig, wie ich erwartet hatte. Dank meiner Berufserfahrung in der Werbebranche bin ich mit einem starken Netzwerk und guten Referenzen in die Selbständigkeit gestartet. Ohne die richtigen Beziehungen und die nötige Erfahrung wäre es bestimmt schwieriger gewesen.
Sowohl Twitter als auch Facebook haben mir Aufträge gebracht – aber eher indirekt. Soziale Netzwerke eignen sich vor allem als langfristige Marketing-Strategie. Je länger man dabei ist, desto bekannter wird man. Wenn irgendein Follower dann zufälligerweise mal eine Texterin braucht, erinnert er sich vielleicht an einen und fragt an.

7. Ein durchaus beliebtes Thema in verschiedenen Blogs ist immer wieder: “Kann ich Geld verdienen mit Blogs und wie?” Ist das auch ein Thema für Dich und wie ist deine Einstellung dazu?
Das Thema interessiert mich schon. Ich bin aber eher zurückhaltend, wenn es darum geht, meine Website mit Werbung vollzukleistern. Vor einiger Zeit habe ich einen zaghaften Versuch mit Amazon-Buchempfehlungen gestartet. Bei Trigami habe ich mich ebenfalls angemeldet, bis jetzt aber noch keine bezahlten Artikel geschrieben. Dabei wird es wohl auch bleiben. Das Thema «Geld verdienen mit dem eigenen Blog» ist mir nicht wichtig genug, um damit Erfolg zu haben. Entscheidender sind für mich die Aufträge, die über meine Website reinkommen. Insgesamt denke ich, dass es für deutschsprachige Blogs schwierig ist, mit Werbung richtig großes Geld zu machen. Englischsprachige Blogs haben in dieser Hinsicht mehr Potenzial, da sie eine wesentlich größere Zielgruppe ansprechen können.

8. Akquise ist für viele Unternehmen eher ein notwendiges Übel, aber ohne funktioniert es nun einmal nicht. Was hältst Du von den klassischen Maßnahmen wie Flyer, Anzeigen, Telefonakquise? Wie stehst Du speziell zu den ganzen Zeitungsanzeigen? Könnte es sein, dass dort oft viel Geld einfach aus dem Fenster geworfen wird?
Es kommt auf das Unternehmen an. Für die einen eignen sich klassische Maßnahmen wie Flyer oder Zeitungsanzeigen durchaus. Für andere lohnen sie sich weniger. In meinem Fall läuft die Akquise fast komplett übers Internet. Print-Werbung ist für mich eher Luxus. Es ist aber gut möglich, dass ich mir irgendwann etwas Besonderes für den Offline-Bereich einfallen lasse.

Geld aus dem Fenster werfen kann man fast mit jeder Art von Werbung. Häufig ist ein Mangel an Professionalität das größte Problem. Dieser resultiert wiederum oft daraus, dass am falschen Ort gespart wird. Sei es bei der Gestaltung oder bei den Texten. Viele hätten mehr von ihren Werbemaßnahmen, wenn sie mehr in die Qualität investieren würden. Insofern ist auch wenig Geld oft rausgeschmissenes Geld.

9. Oft ist zu beobachten, dass gerade kleinere Unternehmen nicht wirklich viel Herzblut in die Erarbeitung ihrer Texte auf Flyern, in Anzeigen oder im Webauftritt legen. Bist Du bereit, mal fünf Tipps abzugeben, wie Deiner Meinung nach ein guter Text aussehen sollte? Was müsste dabei unbedingt beachtet werden?
Das Herzblut ist meiner Ansicht das kleinste Problem. Vielen ist ganz einfach nicht bewusst, wie wichtig gute Texte sind. Die Meinung, jeder könne schreiben, ist immer noch weit verbreitet. Die wenigsten wissen jedoch, was einen guten Text auszeichnet. Und selbst wer stilistisch einwandfrei schreibt, ist noch lange kein erfolgreicher Werbetexter. Fünf Tipps von mir:

  1. Ein guter Werbetext hebt den Kundennutzen hervor.
  2. Ein guter Werbetext ist exakt auf die Zielgruppe zugeschnitten.
  3. Ein guter Werbetext ist kurz und verständlich. Lange, verschachtelte Sätze, Passiv-Formulierungen, Füllwörter und unnötige Fremdwörter sollte man vermeiden. Ganz besonders gilt dies für Webtexte und für Texte, die eine große Zielgruppe ansprechen sollen.
  4. Ein guter Werbetext lässt keinen Zweifel aufkommen. Abschwächende Wörter wie «vielleicht» oder Formulierungen, die negative Assoziationen wecken, gehören nicht in einen Werbetext.
  5. Gute Texte sind fehlerfrei. Klingt selbstverständlich, Tatsache ist allerdings, dass stilistisch und orthografisch einwandfreie Texte im Web recht selten sind. Ein fehlerfreies Deutsch ist jedoch ein wichtiger Bestandteil eines professionellen Auftritts.

10. Jetzt machen wir mal zwei Schritte vorwärts. Wo stehen Barbara Frolik und WordWeb in zwei Jahren? Welche sind Deine größten Wünsche für Blog und Selbständigkeit?
Wo mein Blog in zwei Jahren stehen wird, darüber mache ich mir jetzt noch keine Gedanken. Für meine Selbständigkeit wünsche ich mir, dass ich noch mehr als heute die Dinge tun kann, die ich am liebsten mache. Und zwar für Kunden, mit denen die Zusammenarbeit richtig viel Spaß macht. Schön wäre auch, wenn ich mir bis dahin den einen oder anderen privaten Traum erfüllen könnte. Zum Beispiel ein hübsches Bauernhaus im Grünen. Alles andere lasse ich auf mich zukommen.

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