TYPO3: Allgemeines, Vorteile, Nachteile und mehr im Interview mit WoWa-Webdesign

Interview mit einem Typo3 ExpertenDer Blogger Interview Marathon startet und es ist kein Aprilscherz: Anfragen für weitere Interviews werden gern angenommen, damit auch wirklich die 42 Tage geschafft werden, denn sonst wird es sehr, sehr knapp, den Interview-Marathon durchzuhalten. Das erste Interview habe ich mit Wolfgang – Wowa-Webdesign -, einem TYPO3-Freak und Webdesigner, geführt. Es werden allgemeine Fragen zu TYPO3 geklärt, Vor- und Nachteile aufgezeigt und Einblicke in die Vorgehensweise bei der Erstellung von Tutorials vermittelt. Viel Spaß beim Lesen.

1. Wolfgang, wer und was steckt genau hinter Wowa-Webdesign? Ermögliche uns bitte mal genauere Einblicke.
Hinter WoWa-Webdesign steckt Wolfgang Wagner. Ich bin 39 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder. WoWa-Webdesign leitet sich, wie die meisten sicher schon vermutet haben, von meinem Vor- und Nachnamen her. Ehrlich gesagt ist mir damals, als ich mich entschlossen habe, das Webdesign gewerblich zu machen, kein besserer Name eingefallen.
Kurz zu mir: das Webdesign betreibe ich zurzeit noch nebenberuflich, im Hauptberuf bin ich Krankenpfleger und arbeite hier im Friedrichshafener Krankenhaus auf der „Interdisziplinären Aufnahmestation“, das ist so eine Art Notaufnahme. Ein ziemlich interessanter, aber manchmal auch sehr anstrengender Job.

Ich wurde schon öfter gefragt, wie man denn als Krankenpfleger zum Webdesign kommt. Bei mir müsste man allerdings eher fragen, wie so ein Computerfreak wie ich zur Krankenpflege kommt. Angefangen hat das Ganze nämlich bei mir schon 1984, als ich mir von meinem über Monate zusammengespartem Taschengeld einen C64 leistete, mit Datasette und zuerst an einem alten Schwarzweiß-Fernseher. Mit dem C64 machte ich aber auch schon die ersten Schritte Richtung Programmierung, indem ich zuerst natürlich Basic und später dann ein wenig Pascal lernte. Das erste Geld verdiente ich mir dann kurze Zeit später, als ich für die Firma, in der mein Vater damals arbeitete, ein Kalkulationsprogramm schrieb. Aber das war mehr ein Taschengeld.

Auf jeden Fall mutierte ich damals zum typischen Computerfreak, der die meiste Zeit an der Kiste hing und irgendwelche Spiele zockte oder eben programmierte. Mein Ziel war damals eigentlich, nach dem Abitur dann Informatik zu studieren. Aber dazu kam es dann nicht, als ich mit dem Abi fertig war, hatte ich absolut keinen Bock mehr, die Schulbank zu drücken und machte erst mal meinen Zivildienst an einem Krankenhaus in Ravensburg. Und so kam eins zum anderen und ich fand Gefallen an der „Branche“, weshalb ich dann kurz nach meinem Zivildienst eine Ausbildung zum Krankenpfleger begann.

Zum Webdesign kam ich dann ca. 1998 oder 1999. Ich spielte zu dieser Zeit noch in einer Band (E-Gitarre) und wir kamen irgendwann auf den Gedanken, jetzt unbedingt eine Website haben zu müssen. Das blieb dann natürlich an mir hängen. Und so entstand nach kurzer Zeit mit Hilfe des im Netscape Navigators integrierten Composers die erste Website. Der Composer war so eine Art WYSIWYG-Editor, vielleicht kann sich der eine oder andere noch daran erinnern. Dieser erste Versuch sah nach heutigen Maßstäben natürlich grausam aus, aber damals war ich trotzdem mächtig stolz darauf. Auf jeden Fall fand ich Gefallen an der Sache und kaufte mir dann im Laufe der Zeit auch diverse Bücher zum Thema und begann, mir die Grundlagen beizubringen. Ich habe also nie irgendwelche Kurse oder Schulungen besucht, sondern habe mir das alles mit Hilfe von Büchern oder diverser Quellen im Netz selbst beigebracht. Eine große Hilfe waren mir dabei natürlich die Seiten von SelfHTML und von Dr. Web, die damals noch ein tolles Forum hatten, das dann aber bald leider nicht mehr weitergeführt wurde.

Im Laufe der Zeit bin ich dann auch auf Content Management Systeme aufmerksam geworden und war ziemlich bald an TYPO3 interessiert. Die erste Version, die ich mir näher anschaute, war die 3.8er, wenn ich mich recht erinnere. Zeitweise habe ich mich dann auch mit TYPOlight/Contao, Drupal, Joomla! und WordPress beschäftigt. Übrig geblieben sind inzwischen aber nur noch TYPO3 und WordPress, auf diese beiden Systeme habe ich mich ein wenig spezialisiert.

2. Erstmalig bist Du mir mit Deinem Twitter-Account aufgefallen und den Verweisen auf Deine Tutorials, die Du selbst erstellst. Warum Tutorials und was bringt es Dir persönlich?
Ich bin selber ein großer Fan von Videotutorials. Vieles habe ich durch Tutorials gelernt, sei es mit kostenlosen Tutorials auf YouTube, oder auch durch kostenpflichtige von Video2Brain, zum Beispiel. Wie genau ich dann darauf kam, selber Tutorials zu erstellen, kann ich gar nicht mehr so genau sagen. Ich glaube, angefangen hat es damit, dass ich für meine Kunden Screencasts erstellt habe, in denen ich Ihnen den Umgang mit TYPO3 erklärte. Anfangs habe ich das für jeden Kunden individuell gemacht, aber irgendwann war mir das zu viel Arbeit und ich wollte eine „universelle“ Screencast-Reihe machen, die ich dann jedem Kunden einfach hätte kopieren können. Daraus entstand dann aber die Idee, eine komplette TYPO3-Einführung auch für „Webmaster“ zu machen.

Mir persönlich bringt das ganze vor allem Spaß. Ich mache gerne Tutorials, ich gebe gerne mein Wissen weiter und ich freue mich, wenn ich anderen damit helfen kann. Das ist vielleicht meine soziale Krankenpfleger-Ader. Aber natürlich konnte ich mir durch die Tutorials auch eine gewisse Reputation aufbauen. Manche sehen mich dadurch vielleicht als TYPO3-Experten an (ich selber bin da nicht so sicher). Und ich konnte tatsächlich auch schon einige Aufträge generieren, weil auch potentielle Kunden auf meiner Website ja den Kurs entdecken und sich dann vielleicht denken „Hey, der Typ weiß anscheinend, wovon er spricht!“. Die Tutorials haben mir also tatsächlich auch schon finanziell etwas eingebracht.

3. Vor allem mit Deinem 71-teiligen TYPO3-Einsteigerkurs hast Du für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Was ist an TYPO3 so spannend?
Hm, schwierige Frage. Ich denke, mich fasziniert am meisten die Flexibilität, die TYPO3 ermöglicht. Man kann wirklich fast alles damit machen. Und mir gefällt auch, dass ich dafür eigentlich keine Programmiersprache (PHP) lernen muss. Sicher, ich muss mich mit der TYPO3-Konfigurationssprache Typoscript beschäftigen und diese erlernen, aber die ist wesentlich leichter zu handhaben als PHP. Zumindest geht mir das so.

Ich bin auch völlig frei, was die Ausgabe des HTML-Quellcodes betrifft. Wenn ich ein Menü als ungeordnete verschachtelte Liste mit ganz bestimmten CSS-Klassen ausgeben will, kann ich das einfach per Typoscript machen. Und wenn ich aber jeden Menüpunkt in einen eigenen DIV-Container stecken will, ist das auch kein Problem. Ich bin dort in keinster Weise eingeschränkt. Bei anderen Systemen, z.B. Contao, bin ich immer wieder an Grenzen gestoßen, die ich dort nicht überwinden konnte. Aber für TYPO3 hatte ich schon eine Lösung im Hinterkopf.

Was mir auch gefällt, ist die Art, in TYPO3 Inhalte zu verwalten. Ich habe einen Seitenbaum, und in diesen Seiten kann ich dann beliebige Inhalte erzeugen. Das funktioniert z.B. bei Joomla! genau andersrum, dort lege ich die Inhalte an und erzeuge mir dann aus den Inhalten eine Navigationsstruktur. Aber ich muss sagen, dass mir die Art von TYPO3 da einfach logischer vorkommt und mir mehr zusagt. Sicherlich ist das ganze auch Geschmack- und Übungssache. TYPO3 war halt das erste CMS, mit dem ich mich näher beschäftigt habe. Wäre es Contao gewesen, würde es jetzt vielleicht 71 Contao-Tutorials geben.

4. Wie lange brauchen TYPO3 – Einsteiger bis Sie das System grundlegend beherrschen? Was ist Deiner Meinung nach der schwierigste Part beim Erlernen von TYPO3?
Hm, da müsste ich mal schauen, wie viele Minuten die ersten 50 Tutorials lang sind…
Nein, im Ernst: das ist schwer zu sagen. TYPO3 hat eine ziemlich steile Lernkurve, das heißt, der Einstieg ist sicher nicht leicht. Man muss viel Zeit und Geduld investieren, bis man vernünftige Resultate erzielt. Ich denke, wenn man die Möglichkeit hat, sich täglich intensiv mehrere Stunden damit zu beschäftigen, hat man in 1-2 Wochen die Grundlagen drin.
Der Einstieg in andere Systeme wie zum Beispiel WordPress fällt da sicherlich leichter, aber ich glaube es lohnt sich, da man eben ein ungeheuer flexibles System erlernt.

Der schwierigste Part ist wahrscheinlich Typoscript. Ohne Typoscript zumindest grundlegend zu beherrschen, kann man nicht mit TYPO3 arbeiten. Aus den Kommentaren in meinem Blog und auch im neuen Forum weiß ich, dass viele sich mit Typoscript schwer tun. Aber es ist wie bei vielen Dingen, irgendwann macht es „Klick“ und dann hat man das Konzept dahinter verstanden. Es ist jetzt aber auch nicht so, dass ich immer alles gleich in Typoscript lösen kann, auch ich muss immer wieder in die Dokumentation schauen und viel ausprobieren. Typoscript ist so umfangreich, ich glaube, da lernt man fast nie aus. Vor allem soll ja bald eine neue Version veröffentlich werden, da bin ich schon gespannt, ob ich meiner bisheriges Wissen dann auf den Müll kippen kann oder nicht.

5. Kritisch betrachtet: Was sind Vorteile von TYPO3 und wo liegen ganz klar die Nachteile?
Als großen Vorteil habe ich ja schon die Flexibilität genannt und die Möglichkeit, auf den erzeugten HTML-Quellcode großen Einfluss zu haben.
Ein weiterer Vorteil ist auch die Erweiterbarkeit durch so genannte Extensions. Mit Extensions lässt sich der Funktionsumfang von TYPO3 enorm erweitern. Es gibt inzwischen tausende von Extensions für fast alle Anforderungen. Das ist meiner Meinung nach aber auch ein großer Nachteil von TYPO3. Man ist auf Extensions fast angewiesen, denn in der Grundausstattung bringt TYPO3 wesentlich weniger Funktionen mit als z.B. Contao oder WordPress. Wenn ich ein Newssystem mit RSS-Feed will, muss ich erst eine Extension installieren und die auch richtig konfigurieren. Wenn ich eine Bildergalerie will, brauche ich auch eine Extension. Das Problem dabei ist: wenn ich jetzt mehrere Extensions habe, die JavaScript verwenden, z.B. für Lightbox-Effekte oder Formularvalidierung, kann es passieren, dass sich diese Extensions nicht miteinander vertragen, weil sie verschiedene JavaScript-Frameworks einsetzen. Die eine Extension verwendet jQuery, die andere Mootools, und schon funktioniert dann keine von beiden mehr. Das sind einfach Probleme, deren man sich bewusst sein muss, dann lassen sich solche Konflikte natürlich auch vermeiden.

Andererseits bedeutet natürlich eine geringe Funktionsgrundausstattung auch ein schlankeres System, wobei sich die Worte „TYPO3“ und „schlank“ eigentlich gegenseitig ausschließen.
Das ist nämlich ein weiteres Problem von TYPO3: es ist ziemlich ressourcenhungrig. Auf einem 08/15-Webspace mit Datenbank, auf dem vielleicht WordPress noch gerade so läuft, werde ich wahrscheinlich kein TYPO3 zum Laufen bringen. TYPO3 hat einige Grundvoraussetzungen an den Webspace, der entweder erst bei teureren Webspace-Paketen oder sogar dann erst bei V-Servern erreicht wird. Nicht umsonst haben sich einige Hosting-Anbieter auf das TYPO3-Hosting spezialisiert.

Die Performance von TYPO3 ist auch ein Punkt, an dem man noch arbeiten muss. In der Standardkonfiguration ist es nicht ideal eingestellt. Mit ein paar Handgriffen kann man in TYPO3 selbst die Performance noch erhöhen. Außerdem gibt es noch ein paar Optimierungsmöglichkeiten am Webserver, die man z.B. per .htaccess-Datei vornehmen kann. Das wird aber nicht in jedem Hostingpaket unterstützt. Was sich auch nur umständlich mit TYPO3 realisieren lässt, sind Seiten, die eine Community aufbauen sollen. Also vielleicht mit Foren, Privatem Nachrichtensystem, Chat usw. Solche Websites lassen sich sehr viel leichter mit Drupal und sogar Joomla! realisieren.

6. Kannst Du zur Entwicklung von TYPO3 in den letzten Jahren was sagen?
Ich denke, dass die Entwicklung auf jeden Fall größtenteils immer in die positive Richtung gegangen ist. Früher wurde oft über das hässliche und unübersichtliche Backend gemeckert. Das hat sich inzwischen sicher gebessert. Es würde zwar immer noch keinen Designwettbewerb gewinnen, aber im Großen und Ganzen ist es in Ordnung. Seit dem in der aktuellen Version auch im Backend vermehrt mit Ajax gearbeitet wird, ist auch der Workflow ein wenig flüssiger geworden. Ansonsten sind es oft viele Kleinigkeiten, die bei einem Update das Arbeiten erleichtern. Am Funktionsumfang insgesamt ändert sich selten etwas, es sind oft die neuen, kleineren Funktionen im Backend, die die Arbeit erleichtern und angenehmer machen. Ein großer Schritt soll ja dann die kommende Version 5 sein, da bin ich sehr gespannt.

7. Nenne bitte mal Quellen mit fundiertem TYPO3-Wissen für Einsteiger und dazu jeweils auch eine kurze Erläuterung: Warum gerade diese oder jene Wissensquelle?
Tja, da muss ich als erstes natürlich meine Tutorials nennen, http://wowa-webdesign.de/typo3-kurs/. Die bieten sicherlich einen guten Einstieg in die Materie.
Ansonsten ist eine Pflichtlektüre die offizielle TYPO3-Dokumentation. Das ist zwar sehr umfangreicher Lesestoff, aber zumindest sollte man sich das mal anschauen.
Für die Arbeit mit Typoscript unerlässlich ist die Typoscript-Referenz TSRef, die man sich hier online anschauen oder auch downloaden kann. Parallel dazu die TSconfig, die die Konfiguration des Backends via Typoscript erklärt. Beide Dokumente sind allerdings am Anfang ein wenig schwer zu verstehen. Ich habe mir damals die TSRef sogar ausgedruckt und mir in aller Ruhe auf dem Sofa durchgelesen, bis ich irgendwann den Aufbau kapiert habe.

Dann gibt es natürlich noch diverse Foren, bei denen ich vor allem das Mittwald-Forum empfehlen kann. Erwähnen muss ich natürlich auch mein eigenes, erst vor ca. 3 Monaten gegründetes Forum. Hier liegt der Schwerpunkt naturgemäß auch bei TYPO3. Obwohl es erst kurz online ist, haben wir schon über 200 Mitglieder, Tendenz steigend. Es gibt noch eine Reihe weiterer Foren im Internet, aber bei vielen ist es oft so, dass man zwar Themen zu einem bestimmten Problem findet, diese aber leider seit Wochen oder Monaten unbeantwortet sind.

Eine Sammlung von nützlichen Typoscript-Schnipseln findet man z.B. auf http://www.typo3-snippets.de/snippets oder auf http://www.pi-phi.de/typo3.html
Zum Schluss möchte ich noch kurz mein Wiki erwähnen, http://wiki.wowa-webdesign.de. Auch hier habe ich viele Codeschnipsel, die ich immer wieder benötige, zusammen getragen. Der größte Teil davon dreht sich um TYPO3, doch es werden auch ein paar andere Themen behandelt, z.B. Serverkonfiguration oder auch Photoshop-Tricks.

8. Auf was sollte man achten, wenn man mit dem Gedanken spielt, TYPO3 für das eigene Webprojekt einzusetzen?
Als erstes würde ich mal die Anforderungen des Projekts aufschreiben. Was soll das für eine Website werden? Was und wen will ich erreichen? Welche Funktionalitäten brauche ich? Und vor allem: lohnt sich der Einsatz eines CMS oder komme ich vielleicht auch mit einer statischen Seite aus? Und ist TYPO3 die beste Wahl dafür oder nehme ich vielleicht lieber WordPress? Ich verwende auch nicht immer automatisch für jedes Projekt TYPO3. Manchmal nehme ich WordPress, manchmal überhaupt kein CMS.
Außerdem muss man sich, wie schon erwähnt, über den hohen Lernaufwand klar sein. Schnelle Ergebnisse erreicht man am Anfang nicht. Wenn man allerdings mal den Bogen raus hat, lässt sich auch eine TYPO3-Site innerhalb sehr kurzer Zeit aufsetzen.

Dann darf der Punkt „Hardwareanforderungen“ natürlich nicht übersehen werden. Wenn ich das billigste Hostingpaket bei einem Internet Service Provider mit zwei Zahlen im Namen habe, kann ich den Einsatz von TYPO3 vergessen. Ich muss also entweder ein größeres, teureres Paket buchen, oder mit der Domain zu einem geeigneteren Provider umziehen. Wenn man eine neue Domain einrichten will, muss man sich halt gleich einen geeigneten Provider suchen. Ich will jetzt hier keine Werbung machen, aber wenn man mal nach „typo3 hosting“ googelt, findet man schon ein paar geeignete. Wobei ich, wenn ich die Möglichkeit habe, einen V-Server oder sogar einen Root-Server einem Shared Hosting-Paket vorziehen würde.

9. Woran erkenne ich eine wirklich gute TYPO3 – Agentur? Kannst Du da eventuell einige Tipps geben für die Suche nach der richtigen Agentur?
Puh, das ist jetzt ein wenig schwierig. Wenn ich jetzt als Kunde eine Agentur suche, die mir meine Website umsetzen soll, würde ich natürlich mal schauen, was die bisher mit TYPO3 gemacht haben. Da findet man ja meistens in den Referenzen etwas. Interessant ist vielleicht auch, ob sich die Agentur/der Webdesigner noch irgendwie anderweitig mit TYPO3 engagiert, sei es durch Schulungen, Coachings, Tutorials oder was auch immer.

10. Wie entstehen bei Dir Tutorials? Könntest Du Deine Arbeitsweise genau beschreiben?
Bei den TYPO3-Tutorials habe ich mir damals einen richtigen Ablaufplan gemacht, auch bei den jetzt gerade aktuellen Fireworks-Tutorials bin ich so vorgegangen. Ich habe mir also überlegt, mit was fange ich an, was ist interessant und in welcher Reihenfolge sollte ich bestimmte Themen abarbeiten. Manche Themen setzen ja ein bestimmtes Grundwissen voraus, und man sollte sich also vorher bemühen, dieses Grundwissen zuerst zu vermitteln.

In einer späteren Phase bin ich aber dann auch öfter direkt auf Wünsche und Anregungen meiner Blogleser eingegangen, falls ich dazu eine Lösung hatte. Oft gehe ich dann so vor, dass ich ein bestimmtes Problem vorher ohne ein Recording durchgehe, einfach um die Vorgehensweise für mich selber nochmal klar zu machen. Wenn alles klappt, nehme ich das Ganze dann als Screencast auf. Außerdem arbeite ich für die Tutorials meistens auf einem virtuellen PC. Dazu verwende ich die Software VirtualBox, auf der ich mir ein sauberes Windows-System eingerichtet habe. Am Anfang der TYPO3-Tutorials sieht man auch, dass ich die Seite lokal auf dem PC entwickle. Erst später, als es um Sachen wie den Mailversand ging, bin ich dann auf eine „echte“ TYPO3-Installation im Netz gewechselt.

Die Fireworks-Tutorials laufen auch alle auf einem virtuellen PC ab. So kann ich im Notfall auch immer zu einem früheren Sicherungspunkt wechseln. Das war vor allem bei den TYPO3-Tutorials am Anfang oft hilfreich. Auch ich habe da natürlich Fehler produziert, aber in den Tutorials sieht man davon nicht besonders viel (bis auf ein paar Ausnahmen). Kurz zur technischen Seite: für die Aufnahmen der Screencasts verwende ich die Software Camtasia Studio von Techsmith. Die ist zwar nicht so ganz billig, ist aber meiner Meinung nach die beste Software dafür, die zurzeit auf dem Markt ist. So habe ich mir diese Anschaffung einfach mal geleistet. Dazu kommt dann noch ein handelsübliches Headset, ab und zu setze ich auch meine Webcam ein. Die Nachbearbeitung der Tutorials dauert übrigens meistens länger als das Recording, ich versuche, die Soundqualität zu verbessern und muss natürlich auch einige Versprecher rausschneiden. Leider habe ich die alle gelöscht, sonst hätte ich irgendwann mal ein Video mit dem besten Unsinn, den ich von mir gegeben habe, zusammenschneiden können.

11. Die Mentalität vieler Menschen im Netz sieht leider zu oft so aus: “Nehmen, aber kaum was geben.” Die gibst durch Deine Tutorials eine ganze Menge Wissen, konntest Du durch die Tutorials auch schon Aufträge generieren oder gibt es eher mehr Anfragen in der Form: “Wie macht ich dies oder jenes…”?
Ja, in der Tat konnte ich schon einige Aufträge generieren. Das sind zwar nicht immer die ganz großen Aufträge, sondern oft nur kleinere Sachen wie z.B. die Lösung eines ganz bestimmten TYPO3-Problems. Aber wie sagt man so schön, Kleinvieh macht auch Mist, und wenn der Kunde zufrieden ist, empfiehlt er mich vielleicht auch weiter.
Natürlich gibt es auch immer wieder Anfragen, sei es per Skype oder per E-Mail. Das wurde mir vor ein paar Monaten dann sogar ein wenig zu viel, sodass ich mich entschloss, nach Anregung einiger Blogleser, ein eigenes Forum zu eröffnen. Seitdem hat sich zwar die Zahl der Kommentatoren im Blog rapide verringert, aber dafür hat das Forum inzwischen schon über 200 registrierte Mitglieder.

Direkte Anfragen per E-Mail bekomme ich trotzdem noch relativ häufig. Meistens verweise ich aber auf das Forum, da mir einfach die Zeit und ehrlich gesagt auch ein wenig die Lust fehlt, kostenlosen persönlichen E-Mail-Support zu leisten. Außerdem haben auch andere etwas davon, wenn im Forum dann vielleicht sogar eine Lösung zu dem Problem gefunden wird.

12. Könntest Du Dir vorstellen, WoWa-Webdesign hauptberuflich zu betreiben und warum bist Du bisher noch nicht diesen Schritt gegangen?
Natürlich, das kann ich mir sehr gut vorstellen. Eigentlich ist das auch mein langfristiges Ziel. Der Grund, warum ich diesen Schritt bis jetzt noch nicht gegangen bin, ist einfach der, dass meine Auftragslage momentan noch zu unregelmäßig ist, um nur noch davon leben zu können. Schließlich muss ich eine Familie ernähren. Meine Frau ist zwar auch berufstätig, aber nur Teilzeit. So ist das Einkommen, das ich mit dem Webdesign erziele, ein netter Nebenverdienst, der uns ein relativ angenehmes Leben ermöglicht.

Außerdem genieße ich auch den Luxus, nicht jeden Auftrag annehmen zu müssen, damit Geld reinkommt. Manchmal habe ich Anfragen, bei denen ich einfach ein schlechtes Bauchgefühl habe, entweder weil ich mir nicht sicher bin, die geforderten Funktionen realisieren zu können, oder weil mir der Auftraggeber suspekt ist. In solchen Fällen höre ich meistens auf meinen Bauch und lehne einen Auftrag auch mal ab.

13. Was zeichnet einen guten Webdesigner aus?
Schwierig zu sagen, da ich nicht weiß, ob ich ein guter Webdesigner bin. Es gibt sicher Leute, die mich nicht in diese Riege zählen. Aber ein Punkt ist sicher, dass man versuchen sollte, seine Kunden auch zu beraten. Man sollte nicht alle Kundenwünsche blind erfüllen, wenn man weiß, dass der Wunsch nicht gut für die Seite ist. Wenn ein Kunde ein Flashintro für seine Seite haben will, rate ich ihm davon ab und nenne auch die Gründe, warum ich das nicht machen würde. Man sollte auch mit offenen Augen und Ohren durchs Web surfen. Das Internet entwickelt sich ständig weiter, und man sollte auch versuchen, über diese Entwicklungen auf dem Laufenden zu bleiben. Sicher muss man nicht jeden Trend mitmachen, aber man sollte zumindest schon mal etwas davon gehört haben. Wobei auch das manchmal schon schwierig genug ist, weil man einfach nicht alles wissen kann. Als alleinarbeitender Webdesigner hat man es da sicher schwerer als in einem größeren Team, könnte ich mir vorstellen.

Ach ja, ein wichtiger Punkt ist auch, dass man sich seiner Grenzen bewusst sein sollte. Ich habe schon manchen Auftrag abgelehnt, weil mir einfach das nötige Wissen für die Umsetzung gefehlt hat. Ich bin zum Beispiel kein Programmierer. Ich beherrsche die Grundlagen von PHP, aber ich kann deshalb noch lange keine TYPO3-Extension entwickeln. Solche Aufträge nehme ich dann nicht an. Oder Onlineshops: habe ich noch nie umgesetzt und will ich auch nicht machen, da es da auch zu viele rechtliche Sachen zu beachten gibt, und damit will ich mich eigentlich nicht beschäftigen.

14. Vielen Dank für das Interview. Zum Schluss wäre es schön, wenn Du mal fünf Blogs benennen könntest, die Du gern liest und warum es gerade diese sind.
www.perun.net/ – Ist DIE Quelle, wenn es um WordPress geht.
http://typo3blogger.de/ – Immer aktuelles aus der TYPO3-Szene
www.calvinhollywood-blog.de/ – Deutscher Fotograf und Photoshop-Künstler. Ein cooler Typ mit enormem Fachwissen in Sachen Photoshop.
www.elmastudio.de/ – Webdesign-Agentur, die in ihrem Blog immer sehr gute Artikel und Tutorials zu WordPress oder Webdesign allgemein veröffentlichen.
www.zweidoteins.de/ -  Hier geht’s um SEO und Affiliate-Marketing. Christian schreibt immer wieder interessante Artikel, nicht nur zu diesen beiden Themen.

Es war jetzt ziemlich schwer, nur fünf Blogs zu nennen, da es noch einige andere gibt, die ich gerne und regelmäßig lese. Ich bedanke mich für die Möglichkeit, dieses Interview hier geben zu können. Vielleicht taucht der eine oder andere Leser ja auch mal auf meiner Seite auf.

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  1. WoWa-Webdesign Friedrichshafen, Bodensee

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