Interview mit Bohncore.de

Interview über das Bloggen mit BohncoreDamit ist auch schon der vierte Tag des Blogger Interview Marathon angebrochen. Mein heutiger Gesprächspartner ist der Ralf von Bohncore. Im Interview wird die Entwicklung von Bohncore als Blog in den letzten Monaten geklärt. Immerhin hat es Ralf durch gute Arbeit geschafft, in 6 Monaten  eine Stammleserschaft aufzubauen. Weiterhin erzählt Ralf was über WordPress, die deutsche Blogszene, seine Erfahrungen mit Drupal und Joomla und noch einiges mehr. Lest das Interview und schaut Euch unbedingt mal diesen sehr lesenswerten Blog vom Ralf an…
1. Hallo Ralf, wann kam die Idee mit Bohncore und was trieb Dich dazu, den Blog (von mir aus auch das Blog) auf die Beine zu stellen?
Die Idee kam im Sommer 2010. Eigentlich eher spontan und ohne große Planung. Angetrieben hat mich die Lust zu schreiben. Und das über die Themen, die mich täglich im Berufsalltag begleiten. Zudem wollte ich auch ein paar Dinge ausprobieren und auch Kontakte knüpfen.

2. Wie sieht die thematische Ausrichtung auf Bohncore genau aus und ist es möglich, dass sich die Themenschwerpunkte auch mit der Zeit verändern? In welche Richtung könnte es gehen?
Die Hauptthemen sind Bloggen und Webwork, WordPress, SocialMedia und Design. Ob sich die Themenschwerpunkte verändern werden kann ich noch nicht sagen. Eigentlich ist fast alles abgedeckt was mich aus der Branche interessiert. Eigentlich fast alles, aber die anderen Themen behandle ich auf eisy.eu wo ich auch blogge.

3. Wie bist Du am Anfang bei der Umsetzung von Bohncore genau vorgegangen? War es mehr aus dem Bauch heraus oder hast Du die Sache genauer geplant? Beschreibe bitte mal die Schritte von der Idee bis zum ersten Artikel etwas genauer.
Du wirst lachen: Ich hatte die Idee, hab mich auf die Couch gesetzt, Domain beantragt, WordPress installiert, Theme angepasst und los gings. Es war also alles sehr schnell und ungeplant. Normalerweise bin ich ja dafür, das man Projekte plant, aber in dem Fall ist es mein persönlicher Blog, der eben da ist und läuft wie er läuft.

4. Woher nimmst Du Deine Ideen für Artikel und wie lange dauert es bis ein Artikel verfasst ist?
Grundsätzlich kommen Ideen beim Lesen von anderen Blogs, beim allgemeinen Surfen im Internet oder beim Ausprobieren von Tools. Wie lange ein Artikel dauert hängt vom Thema und der notwendigen Recherchearbeit ab. Zwischen 30min. und 5 Stunden war glaube ich schon alles dabei.

5. Welche Quellen nutzt Du für die Ideenfindung und Inspiration? Kannst Du diese genauer benennen und beschreiben?
Da ich gerade erst den passenden Blogartikel dazu geschrieben habe, bin ich mal so frech und verweise einfach mal auf den Artikel. Dort habe ich 73 Blogs aus meinem Feed-Reader zusammengetragen die ich wärmstens empfehlen kann. Letztlich schlummern da zwar noch mehr Feeds, aber die 73 genannten sind dann doch die, die am häufigsten gelesen werden, bzw. die die meiste Aufmerksamkeit von mir bekommen – Empfehlenswerte Blogs aus meinem Feedreader.

6. Kannst Du Blogeinsteigern Tipps geben für das Erstellen von Blogeinträgen? Was sollte man eventuell beachten um einen guten Artikel zu schreiben?
Nunja, es gibt ja einige „Ratgeber“ was das Verfassen von Blogartikeln angeht. Letztlich beachte ich da eigentlich keine bestimmten Punkte. Ich schreib einfach was mir in den Sinn kommt und ich schreibe wie ich bin. Heißt also dass ich mich nicht verstelle und irgendwie versuche als Möchtegern-Journalist rüber zu kommen. Letztlich sollte man eben die eigene Persönlichkeit zeigen und bewahren. Das kommt in Blogs denke ich am Besten an.

Diese aufgeblasene und perfekte Schreibe liegt mir nicht und das bin ich nicht. Ich denke das der Leser auch keine solchen Artikel will, sonst kann er Wirtschaftsmagazine lesen.

7. Gibt es Dinge, die Du aus heutiger Sicht mit Bohncore eventuell anders machen würdest und wie würden diese genau aussehen?
Nein. Wüsste gerade nichts was ich anders machen würde. Es macht Spaß und das Feedback der Leser sowie die Entwicklung der Besucherzahlen und der Kommentar-Frequenz sind super. Also alles im grünen Bereich bisher.

8. Warum verwendest Du WordPress? Wo siehst Du die Vorteile von WordPress und gibt es in Deinen Augen auch Nachteile?
Ich verwende WordPress weil es in meinen Augen einfach die besten Blogginsoftware ist. Zumindest die Beste die ich getestet habe, über die anderen kann ich kein Urteil abgeben. Mir sagt einfach die simple Bedienung und die Flexibilität und die Community dahinter zu.

Nachteile? Sicher gibt’s die. Nichts ist perfekt, zumal es immer auch im Auge des Betrachters liegt. Suboptimal finde ich das Aufdrängen der Plugins Akismet und Hello Dolly (vor allem Akismet) und die doch recht hohe Speichernutzung. Aber es gibt für alles eine Lösung.

9. Hast Du auch schon für andere Projekte Drupal, TYPO3 oder Joomla getestet und wie sehen da Deine Erfahrungen aus?
Drupal habe ich mal kurz angetestet und fand es eigentlich ganz interessant. Für intensivere Arbeit damit hat mir aber bisher die Zeit gefehlt. TYPO3 geht für mich gar nicht. Sicher, man kann sehr viel damit machen muss aber a) dafür fast schon studieren und b) dem Kunden viel mehr berechnen als nötig. Für mich keine Alternative.

Mit Joomla hab ich schon ausführlich gearbeitet und finde es an sich ganz gut. Es gibt aber im Vergleich zu WordPress zu viele negative Eigenschaften. Sicherheitslücken, unsauberer Code, unlogische usability, usw. Auch die Rechteverwaltung ist Mist.

Momentan ist für mich WordPress das Beste, was ich bisher benutzt habe. Freu mich aber auf das fokus-CMS von Torben Leuschner, das ich als Beta-Tester auseinander nehmen darf.

10. Wie schätzt Du die deutsche Blogszene ein? Was gefällt Dir besonders gut und warum? Welche Dinge könnten Deines Erachtens besser sein?
Das ist schwer zusammenfassend zu sagen, da die Blogszene mehrere Gesichter hat. Da wäre zum einen der Teil, der nett, hilfsbereit und kommunikativ ist und qualitativ hochwertigen Content zur Szene beiträgt.
Dann wären da noch die, die an Allem was auszusetzen haben, ihr Neid nicht in Zaum halten können, die Fehler bei anderen suchen und selbst nur Bullshit produzieren oder gar nichts vorzuzeigen haben. Die anonymen Trolle.

Ich bin zum Glück bisher fast nur mit der guten und wichtigen Seite der Szene in Berührung gekommen und diese weiß ich sehr zu schätzen. Alles in Allem befindet sich die Szene denke ich auf einem ganz guten Weg. Man muss einfach auch gucken, dass man sich mit den richtigen Läuten einlässt und die anderen, die immer nur Unruhe verbreiten, gekonnt ignoriert.

11. Bohncore gibt es jetzt knapp ein halbes Jahr und Du kannst schon beachtliche Besucherzahlen wie auch Einnahmen vorweisen. Kannst Du genauer erläutern wie Du dies geschafft hast?
Da wäre einmal der regelmäßige Content, der auch ganz gut verlinkt wird. Zudem bin ich bei Twitter sehr aktiv und hab dementsprechend gute und wichtige Kontakte geknüpft. Kontakte sind in fast jedem Bereich sehr wichtig, egal ob es um Hilfestellungen geht oder das Verbreiten von Inhalten. Letzteres passiert aber nach einer gewissen Zeit auch automatisch wenn man gute Arbeit macht und man seine Persönlichkeit zeigt und beibehält.

Und ich denke das Bloggen auf Blogszene.com und eisy.eu trägt sicher auch dazu bei, dass mein Name etwas die Runde macht. Generell hab ich aber nichts weiter gemacht als (hoffentlich) guten Content produziert und mit der Szene kommuniziert.

12. “Geld verdienen” wollen viele mit dem eigenen Blog, aber nur die wenigsten schaffen es wirklich. Wo liegen Deiner Meinung nach die Gründe dafür?

Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Ich denke aber das viele wegen des Geldes bloggen und dann nicht das nötige Durchhaltevermögen und Interesse haben. Es gibt immer noch genug, die der Meinung sind, dass man mit dem Bloggen reich wird. Vor Allem schnell reich. Das ist Bullshit. Man kann sicherlich gutes Geld verdienen, dazu muss man aber über Jahre hinweg gute und nachhaltige Arbeit leisten. Und da scheitern die Leute oft. Denn erfolgreich Bloggen ist mehr als Werbung einbinden und Beiträge klauen…

13. Welche Rolle spielen für Bohncore Quellen wie Facebook und Twitter?
Kommt immer auf die Ansichtsweise an. In Sachen Traffic bringt es mir ca. 400-500 Besucher im Monat. Das ist ok. Viel wichtiger sehe ich aber die Kommunikation mit den Lesern und Kollegen. Das ist für mich eher ein wichtiger Punkt wo ich sage: Ja, es lohnt sich.

Damit es sich vom Traffic her richtig lohnt braucht es glaube ich Zeit, Geduld und eine große Reichweite. Denn die Streuverluste sind schon groß, gerade bei Twitter.

14. Da Du selbst Webdesigner bist, stellt sich mir folgende Frage: Ist es möglich über ein eigenes Blogprojekt Kundenaufträge oder Kontakte zu akquirieren und gelang es Dir schon?
Ein nicht zu unterschätzender Teil meiner Einnahmen kommt mittlerweile durch meine Tätigkeit als Blogger. Sprich Kunden, die sich durch meinen Blog gemeldet haben oder Kunden, die durch Empfehlung von Kontakten kommen. Ein weiterer Faktor, warum die Kommunikation via Twitter und Facebook wichtig ist. Viele sagen es bringt nicht viel, weil im Verhältnis nicht ganz so viel Traffic über die Kanäle kommt, gerade am Anfang. Aber Traffic ist nicht alles.

Also….ja es ist möglich und es hat bei mir auch schon gut funktioniert (ohne aktiv in die Richtung tätig gewesen zu sein). Das geht aber nur, wenn man sich dementsprechend verkauft und keinen Scheiß produziert. Man sollte einfach man selbst sein und entweder es spricht Leute mehr an, oder eben weniger.

15. Eine provokante Frage: Muss ein Webworker mehr als 12 Stunden täglich arbeiten, um erfolgreich zu sein?
Schwierige Frage. Ich denke gerade bis mal der Knoten platzt, sollte man schon etwas mehr machen als 8 Stunden und dann ab in die Hängematte. Letztlich sehe ich das so: die die Erfolg haben, haben in der Regel Ziele und machen einfach das was nötig ist um diese zu erreichen. Aber und da spreche ich aus Erfahrung, man sollte es nicht übertreiben. Über Wochen und Monate hinweg 15 Stunden täglich an 6 Tagen in der Woche zu arbeiten wirkt sich sehr schnell auf die Gesundheit aus. Wenns ganz dumm kommt, steht man hinterher dümmer da, wie wenn man gleich etwas mehr auf sich geachtet hätte.

Man muss einfach die richtige Mischung finden, aber sicherlich auch mal Zeiten verkraften, in denen man eben mehr tut. Grundsätzlich ist ein 8 Stunden-Tag aber Geschichte.

16. Zum Abschluss: Was sind die nächsten Ziele, welche Du mit Bohncore erreichen möchtest?
Grundsätzlich möchte ich von Monat zu Monat Fortschritte machen und meine Besucherzahlen steigern, viel lernen, viel Spaß haben und viel testen. Und wenn ich gutes Feedback bekomme, ich weiterhin Spaß habe und tolle Leute kennenlerne ist alles in Butter.
Wenn der Blog langfristig Einnahmen generiert, wäre das natürlich ein toller Rückhalt und ein zusätzliches Standbein. Muss aber auch nicht Zwingend sein. Wichtiger ist mir das Bloggen und das drum herum, sowie das, was ich alles dadurch lerne. Für die relevanten Einnahmen müssen andere Projekte herhalten.

Vielen Dank für das Interview.

4 Comments on "Interview mit Bohncore.de"

  1. Bohn sagt:

    Nachdem mein Internet endlich wieder geht, auch hier nochmal danke für das interessante Interview.

    Finde es klasse, wieviel Mühe du dir bei der Auswahl der Fragen gibst ;-) Weiter so.

    grüße Ralf

    • Heiko sagt:

      Hallo Ralf,

      gern doch. Mal schauen wie es weiter gehen wird mit dem Blogger Interview Marathon, bisher habe ich leider nur noch Futter für den morgigen Tag.

  2. Bohn sagt:

    Schau doch mal bei mir in die Interviews. Vielleicht hat jemand davon noch Lust, oder haste schon alle durch? ;-)

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